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Um 1930 bezog Freud, veranlaßt durch die in den 20er Jahren heftig entbrannte Debatte um den „weltanschaulichen“ Hintergrund der Psychoanalyse (vgl. Nitzschke 1991, 1992), zu verschiedenen Gelegenheiten öffentlich Stellung zur Auseinandersetzung um den wissenschaftlichen Status der Psychoanalyse (z.B. 1933, XXXV. Vorlesung). Dabei hielt er an seinem von Anfang an vertretenen Standpunkt fest, die Psychoanalyse sei eine „Naturwissenschaft wie jede andere“ (Freud 1940, S. 80). Diese Positionsbestimmung hatte, spätestens nach 1933, auch politische Konsequenzen, und zwar deshalb, weil sich damit eine in „weltanschaulichen“ Fragen scheinbar neutrale, „un“-politische Auffassung der Psychoanalyse rechtfertigen ließ. Faßte man die Psychoanalyse „in Wirklichkeit“ als „eine Forschungsmethode, ein parteiloses Instrument wie etwa die Infinitesimalrechnung“ (Freud 1927a, S. 360) auf, so ließ sich damit nach 1933 die fürs Überleben psychoanalytischer Institutionen im Deutschen Reich erforderliche Neutralität der Psychoanalyse (als Wissenschaft) auch gegenüber den neuen Machthabern unter Beweis stellen. In Auseinandersetzung mit Wilhelm Reich vertraten die im Herbst 1933 neu gewählten Vorsitzenden der DPG — Boehm und Müller-Braun-Schweig — eben diesen Standpunkt.
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