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Wenn es um das Zusammenleben in den Städten geht, scheint es Mode geworden zu sein, nur noch Defizite und Krisen heraufzubeschwören. Richard Sennet (2001) konstatierte neuerlich in dieser Hinsicht das Verschwinden sozialer Beziehungen in den Städten. So wird ständig eine Krisenstimmung verbreitet. Die häufig vertretene These heißt in diesem Zusammenhang: Die Stadt als „Integrationsmaschine“ funktioniert nicht mehr. Daraus wird geschlossen, dass das Zusammenleben von Menschen in den städtischen Räumen immer krisenhafter werde. Die bekanntesten deutschen Stadtsoziologen gehen sogar noch weiter, indem sie den Untergang der urbanen Zivilisation prophezeien (Häußermann/ Oswald 1997, S. 9) und die Behauptung aufstellen, die Stadt sei auf dem Weg zurück ins 19. Jahrhundert. Wenn man die Frage stellen würde, warum der gegenwärtige Zustand der (globalen) Gesellschaft als Niedergang beschrieben und was damit intendiert wird, könnte man annehmen, dass dieser normative Zugang dazu dient, wie Walter Reese-Schäfer (1999, S. 435) treffend formuliert hat, „Erwartungen gegen empirische Widerlegungen zu stabilisieren“. Diese normative Diagnose könnte auch damit zu tun haben, dass die Vorstellungen über den Begriff „Krise“ selbst in eine „tiefe Krise“ geraten sind (vgl. Bauman 2000, S. 202).
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