No open-access location is known for this record yet.
No open-access location is known for this record yet.
„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ (Beauvoir 1992: 334) - so lautet der wohl am häufigsten zitierte Satz in der traditionsreichen Diskussion zur sozialen Konstruktion von Geschlecht (Degele 2008: 66). Mit der Betonung des „gemacht werden“ und des „Gewordensein“ der Geschlechter formuliert Simone de Beauvoir bereits früh den entscheidenden Gedanken in der Debatte. Die Erkenntnis, dass „Mann“ und „Frau“ nicht einfach biologische Tatsachen abbilden, sondern Geschlechter in sozialen Prozessen hergestellt werden, eint sehr unterschiedliche theoretische und empirische Entwürfe aus der ethnomethodologisch, wissenssoziologisch, diskursanalytisch oder dekonstruktivistisch orientierten Geschlechterforschung (vgl. Becker/Kortendiek 2004). Charaktereigenschaften und Kompetenzen, wie Emotionalität, Durchsetzungsfähigkeit oder Kommunikationsfahigkeit, aber auch, wie in einem weiteren Schritt ausgearbeitet wurde, körperliche Merkmale, wie Chromosomen, Hormone oder Behaarungen zeichnen demnach aus sich heraus kein natürliches, trennscharfes und polarisiertes Bild der Zweigeschlechtlichkeit (vgl. auch: Kap. 7). Vielmehr stellten sich die sozialen, kulturellen und körperlichen Erscheinungsformen als wesentlich variantenreicher dar, als dies in einem Zweigeschlechtsmodel1 abgebildet sei. Mit dem Schein der Natürlichkeit versehen wird das System der Zweigeschlechtlichkeit im Alltag allerdings als unhinterfragbar gesetzt (Hagemann- White 1984: 77). Oder anders formuliert: Geschlecht wird als durch und durch kulturell und historisch wandelbares Klassifikationssystem betrachtet, als eine sozial und gesellschaftlich folgenreiche Unterscheidung. Gesellschaftsmitglieder haben demnach ihr Geschlecht nicht durch die Geburt lebenslang und selbstverständlich erworben, sondern sie stellen Geschlechtlichkeit über voraussetmngsvolle Handlungen beständig her. Die Vorstellung von der Natur der Zweigeschlechtlichkeit strukturiert demnach die Alltagssituationen von Gesellschaftsmitgliedern in einem ganz grundlegenden Sinne und die Geschlechtsunterscheidungen werden über symbolische und institutionelle Arrangements abgesichert (vgl. bspw. Treibel 2006).
Loading…
Stored only when both papers are in the corpus — 39 citations exist upstream.
Imported from OpenAlex (CC0) — nothing here is generated.