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Spielen und Heilen sind als kulturelle Praktiken häufig aufeinander bezogen. Im Spiel kann sich der Mensch entspannen, entfalten, neu erfinden, und im Spiel lassen sich neue, andere Rollen erproben, die einen Ausweg aus Sackgassen und Blockaden der Lebenswelt eröffnen. Die Entlastung von Zwängen und die Überschaubarkeit der Regeln, die für Spiele kennzeichnend sind, verhelfen den Akteuren zu einer Sicherheit, aus der heilsame Wirkungen erwachsen können. Entsprechend häufig setzen Heilungsstrategien auf spielerische Elemente: Spielend soll der Patient Körperfunktionen zurückgewinnen, neuen Lebensmut schöpfen und Handlungskraft regenerieren. Das Spiel, das Linderung oder gar Heilung verspricht, kann den Charakter einer theatralen Aktion annehmen, die auf Performanz, Darstellung oder Mimesis rekurriert. In solchen Fällen erscheint es berechtigt, von einer Theatralisierung des Therapeutischen zu sprechen. Die Verflechtung von Spiel und Therapie hat eine lange Tradition, so dass der Begriff ‚Theatralisierung‘ hier nicht als Verweis auf eine Entwicklung der jüngsten Zeit missverstanden werden darf. Tatsächlich durchziehen theatrale Strukturen von jeher alle Einrichtungen und Praktiken des Therapeutischen. So ist etwa die Beziehung zwischen Arzt und Patient bzw. zwischen Therapeut und Klient auf beiden Seiten von Selbstinszenierungen geprägt. Der Arzt versucht, für den Patienten Kompetenz und Zuversicht zu verkörpern. Umgekehrt ist der Patient bemüht, dem Therapeuten seine Symptome gestisch-körperlich anschaulich zu machen. Dies ist die basale Theatralität des therapeutischen Feldes: In therapeutisch geprägten Beziehungen kommt es darauf an, sowohl Symptome als auch die richtige Antwort auf diese Symptome möglichst genau zu verkörpern. Je besser die Verkörperung auf beiden Seiten gelingt, desto größer die Heilungschance.
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