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Singular und Plural der Bilder Das Verhältnis der heutigen Gesellsc haft zu den Bildern ist durc h zwei komple mentäre, sich wec hselseitig verstärkende Diskurse geprägt.Zum einen werden mit großer Regelmäßigkeit die ,Bilderfluten', die tagtäglic h über uns hereinbrec hen', beklagt.Dies geschieht mit Vorliebe in den Massenmedien, die selber am meisten dazu beitragen, die Bilder exponentiell zu vermehren.Parallel dazu betreiben eben diese Medien einen Kult von singulären Bildern einzelner hervorragender Genies, einen Kult, den der internationale Kunsttourist willig nac hvollzieht.Beide Haltungen, die reflexartige Abwehr der angeblich zu vielen Bilder und die kultartige Verehrung von einigen wenigen, zu Meisterwerken erkorenen Bildern, verweisen auf ein Gleic hes: die Sc hwierigkeit, mit dem Bild im Plural zurec ht zu kommen. 1 Der moderne Kult des Meisterwerks ist die Kehrseite der Bilderschwemmen, des Bilderrausc hens und ähnlic her überfordernder Massenphänomene.Diese können als Signum moderner Gesellsc haften gelten, die seit der Erfindung der Fotografie nic ht mehr nur über Möglic hkeiten zur Vervielfältigung einzelner Bilder, sondern auc h zur permanenten, mühelosen Produktion immer neuer Bilder verfügen.So kann es heute, im Sinne von Walter Benjamin, geradezu als eine Frage der Würde des Bildes erscheinen, ein Ideal singularisierender Bildpraktiken auf die Gesc hic hte der Bildkunst zu projizieren.2 Ausgewählte Werke werden so mit einem auratisc hen Kordon der Einzigartigkeit umgeben, der es ihren Betrac htern möglic h mac ht, vor dem Bild zu sic h selbst zu finden.Ein solc hes Ideal ist jedoch nur eine, zweifellos sehr eingängige, historisc he Projektion, die bereits eine kulturpessimistisc he Ver lustgesc hic hte voraussetzt.Die Faszination des einen Bildes ist keineswegs das Resultat der Erfindung der Bildermasc hinen.Sie tritt mit ihnen lediglic h in eine neue Phase ein.Ihre Anfänge liegen in den philosophischen und theologischen Spekulationen über ein Urbild, das jeweils als origo von Kosmos und Schöpfung fungiert.3 Die gesamte, in den letzten Jahren wiederholt abgesc hrittene Gesc hic hte religiöser Bilderverbote kreist darum: Bilder (im Plural) sollen sich nicht an die Stelle des einen und wahren Urbildes setzen dürfen.Auskunft über den tatsäc hlic hen Bildgebrauc h historisc her Gesellsc haften geben diese Debatten nic ht.Sie erwec ken stattdessen den falsc hen Eindruc k, die ,sekundären' Bilder seien aussc hließlic h auf eine Ablösung des einen Urbildes hin fixiert gewesen.Gleichzeitig bringen sie, lange vor den Zeiten der tec hnisc hen Bilderflut, den Gedanken des schlechten Plurals ins Spiel.So wird von
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