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Rom, 22. Juni 1633. Ort der Handlung: der Große Saal Santa Maria im Kloster St. Minerva. Hier, in dieser Stätte hatte bereits der Naturphilosoph Giordano Bruno, kniend im Büßerhemd, das Urteil des „Heiligen Offizium“entgegengenommen, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden (vgl. Hemleben 1969). Jetzt, dreißig Jahre danach, steht ein anderer im Büßerhemd vor der Inquisition. Zwei Verhöre, am 27. und am 30. April, hat er bereits durchgestanden. Entschieden verlangen die Vertreter des „Heiligen Offiziums“jetzt und endgültig, seinen „Irrlehren“abzuschwören. Sie haben die Vollmacht des Papstes, dem 70jährigen mit der Folter zu drohen, falls er nicht widerrufe. Die Anklage lautet: „Sie sind verdächtig, für wahr gehalten und geglaubt zu haben, daß die Sonne der Mittelpunkt der Welt ist, und daß sie sich nicht von Ost nach West bewegt, und daß die Erde sich bewegt und nicht der Mittelpunkt der Welt ist. Sie sind weiter verdächtig, zu meinen, daß man eine Meinung vertreten und als wahrscheinlich verteidigen dürfe, nachdem erklärt und festgestellt ist, daß sie der Heiligen Schrift zuwider ist“(zit. nach Hemleben 1969, S. 131). Galileo Galilei kniet nieder vor den versammelten Richtern, Kardinälen und Inquisitoren. Er spricht die Abschwörformel, unterzeichnet ein Dokument. Er widerruft die Arbeit seines ganzen Lebens. Der Physiker lügt, genauer: er tut, als sei er bekehrt. So rettet er sich. Dreihundertfünzig Jahre später, 1992, wird Galilei vom Vatikan „rehabilitiert“.
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