Schule und Ethnizität
Abstract
‚Rasse’, ‚Volk’, ‚Ethnie’, ‚Nation’, dazu ‚Kultur’ und ‚kollektive Identität’ sind zentrale Begriffe aus dem semantischen Repertoire des modernen europäischen Nationalstaates (vgl. Koselleck/ Gschnitzer/Werner 1992; Niethammer 2000). Diese Organisationsform des politischen Systems wurde im 18. Jahrhundert erdacht und im 19. Jahrhundert zunächst in Nord-Amerika und West-Europa etabliert; am Ende des 20. Jahrhunderts hat sie sich als institutionelles Muster über die ganze Welt verbreitet. Die globale Bereitschaft zur Imitation des Modells ‚Nationalstaat’ ist nicht nur seiner offenkundigen Leistungsfähigkeit als Instrument der Durchsetzung von bindenden Entscheidungen, der Monopolisierung von Gewalt und der Beschaffung von Legitimität zuzuschreiben. Die Attraktivität resultiert auch aus dem hohen Mobilisierungs- und Erregungspotenzial des Konstruktes ‚Nation’, das aus der ‚Bevölkerung‘ eines Territoriums ein ‚Volk‘ macht und mit einer Konfusion der Unterscheidung von ‚Staat’‚Gesellschaft’ und ‚Gemeinschaft’ wie kein anderes politisches System kollektive Emotionen freisetzen kann. Flankiert von Rationalitätsversprechen und Effi zienzerwartungen wird mit der Idee der ‚Nation’ die Vorstellung einer Gesellschaft als Gemeinschaft evoziert, die einen Staat besitzt - oder sich in dessen Besitz befi ndet (vgl. Stichweh 2000, S. 50).
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Frank‐Olaf Radtke (2008). Schule und Ethnizität. VS Verlag für Sozialwissenschaften eBooks. https://doi.org/10.1007/978-3-531-91095-6_26
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