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Gegenstand meines Vortrags sind die Schrift, die verschiedenen Schriftarten und auch die Arten des Lesens in der Karolingerzeit. Beginnen wir mit einem konkreten Fall: Am 14. August 791 setzten in einer bislang nicht identifizierten Ortschaft namens Uermundinga sieben Zeugen ihre Unterschrift unter eine Urkunde, worin der Graf Autbertus vir inluster dem heiligen Germanus und seinem Kloster, Abt Hrotbehrt vir magnificus, den rectores des Klosters und den Mönchen einen Wald zurückgibt, den das Kloster einst von Karl dem Großen zum Geschenk erhalten hatte1. Die Rückgabe des Waldes verdankt das Kloster den missi Karls, aber auch den mündlichen Bestätigungen der Zeugen. Alle sieben Zeugen unterschreiben eigenhändig, einer von ihnen mit dem merkwürdigen Namen Babylon. Dieser Babylon ist einer Urkundenschrift mächtig; andere Zeugen wurden anscheinend im Skriptorium der Abtei Saint-Germain-des-Prés geschult2. Auch uns kann Babylon als Zeuge dienen, denn er ist einer von vielen, über deren Leben wir kaum etwas wissen. Herkunft, Alter, Stand, Bildung: Diese Lebenskoordinaten können wir nur aus einer schlichten Unterschrift rekonstruieren. Warum lernte ein Mann wie Babylon schreiben, und welchen Grad der Schreibfähigkeit besaß er? Antworten auf solche Fragen können nur Hypothesen sein, mit denen wir unsere Unkenntnis überdecken.
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