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Nachdem systemtheoretische Beschreibungs- und Erklärungsversuche von Journalismus in der deutschen Theoriedebatte seit Mitte der 1990er Jahre zur Reife gelangt waren, schienen sich zwei soziologische Basisparadigmen zunächst unversöhnlich gegenüberzustehen. Der systemtheoretische Ansatz blendet die „Mikrostrukturen der individuellen Persönlichkeit als Rauschen“ aus, da diese (a) eher zufällig statt systematisch und (b) eher punktuell statt generell mit den Makrostrukturen von Journalismus interferieren (Scholl 2001: 389). Das Hauptproblem besteht demnach nicht in der Identifikation aller möglichen Einflüsse im Journalismus, sondern in der Auswahl der relevanten Variablen: Wie weit reichen das Geschlecht, die politische Einstellung usw. systematisch, d.h. überzufällig, in systemische Abläufe hinein? Auch wenn ein solcher theoretisch begründeter Reduktionismus grundlegende Strukturen des Journalismus ohne Zweifel hinreichend erhellen mag: Die Theorie stößt schnell an ihre Grenzen, wenn es um Fragen der Heteronomie (im Kontrast zu Autonomie) und Genese im Journalismus geht. Die systemtheoretische Joumalismusforschung reduziert Akteure zu Merkmalsträgern und konkretes journalistisches Handeln zu strukturdeterminierten Wahrscheinlichkeiten.
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