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Was ist das Besondere an der modernen Naturwissenschaft? Die einen werden vielleicht auf die Mathematisierung als einen entscheidenden Faktor verweisen, andere auf den Ausschlus teleologischer oder mythischer Erklarungen aus empirischen Kontexten und die damit einhergehende Auflosung des Begriffs des Kosmos. Wieder andere heben die Methode der Idealisierung hervor, die aus den verwickelten Erscheinungen einzelne wirkende Faktoren abstrahiert. Alle diese Erklarungsversuche werden sich aber darin einig sein, das die Eigenart der modernen Naturwissenschaft wesentlich auf dem Experiment beruht. Haufig wird sogar die experimentelle Vorgehensweise mit der naturwissenschaftlichen (oder wenigstens der physikalischen) Methode schlechthin gleichgesetzt. Wahrend man in der Antike und im Mittelalter weithin mit der passiven Beobachtung der Natur zufrieden war, wurde in der Neuzeit das aktive Eingreifen in die Natur zum Wesensmerkmal der empirischen Wissenschaft. Bei der herrschenden Einigkeit uber die zentrale Rolle des Experiments erwartet man eigentlich, das ihm in der Wissenschaftsphilosophie ein vergleichsweise breiter Raum gewidmet wurde. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Die Rolle, die das Experiment spielt, wird von wenigen Autoren und dann meist nur in wenigen Satzen abgehandelt. Dies allein mus nicht schon ein Fehler oder ein Versaumnis sein. Es konnte ja durchaus sein, das das Experiment eben keine Probleme (mehr) aufwirft und so gut verstanden ist, das sich eine nahere Diskussion erubrigt. Es mus einen aber dann doch stutzig machen, das die Unterschiede in den verschiedenen wissenschaftstheoretischen Ansatzen des 20. Jahrhunderts ausgerechnet in bezug auf das Experiment nur selten relevant werden sollen. Im folgenden mochte ich als erstes zeigen, wie es in der Wissenschaftsphilosophie der letzten hundert Jahre zu einer allgemeinen Umwertung (und, wie ich meine, Abwertung) der Rolle des Experiments kam und sich die Standardmeinung herausbildete, das das Experiment einzig die Rolle der TheorienUberprufung zu spielen hat. Um weitere Rollen fur das Experiment feststellen und analysieren zu konnen, wird als nachstes nach der Funktion der Instrumente beim Experiment gefragt. Dabei werden drei Weisen im Umgang mit wissenschaftlichen Instrumenten herausgearbeitet und unterschieden: die produktive, die reprasentierende und die konstruierende. Im dritten Teil schlieslich werden zwei Bedeutungen von untersucht. Es wird gezeigt, das man gemas der ersten Auffassung von einer Theoriebeladenheit des Experiments sprechen kann, ohne die weitergehende Ansicht teilen zu mussen, das jedes Experiment theoretisch interpretiert ist und deshalb eine Theorie voraussetzt, die im Experiment uberpruft wird. Es zeigt sich, das gerade beim produktiven und konstruierenden (unter Umstanden sogar auch beim reprasentierenden) Umgang mit Instrumenten das Experiment eine schopferische Funktion entfaltet, die man als Fahigkeit zur theoriefreien Erzeugung von Wirklichkeit beschreiben kann. Die kritische, theorienprufende Funktion wird von den reprasentierenden Instrumenten erbracht.
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