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Die deutschen Gewerkschaften verloren in den 90er Jahren massiv Mitglieder. Langfristig bedroht dies ihre Organisation ebenso wie ihre Handlungsund Durchsetzungsfahigkeit gegenüber Staat und Unternehmern. In den 70er Jahren profitierten die Arbeitnehmerverbände in westlichen Demokratien häufig von externen Unterstützungen, wie einem Ausbau des öffentlichen Sektors mit seinen hohen Organisationsquoten oder ‚geborgten‘ Organisationshilfen von Staat und Unternehmern (Streeck 1981). Heute stagniert der Umfang des öffentlichen Sektors, und Unternehmer sowie Politiker sind in der Regel entweder nicht willig oder nicht in der Lage, den Gewerkschaften die Mitgliedergewinnung zu erleichtern. Deshalb bleibt den Arbeitnehmerverbänden nicht viel anderes übrig, als selbst durch geeignete Rekrutierungsstrategien die Mitgliederzahlen zu stabilisieren oder gar zu steigern. Es ergibt sich somit die Frage, mit welchen Mitteln und Programmatiken Arbeitnehmer in den neuen und alten Bundesländern gleichermaßen zum Organisationsbeitritt veranlaßt werden könnten. Der Fokus der Bemühungen muss die Angestelltenschaft2 sein, da diese Beschäftigtengruppen — im Gegensatz zum bisherigen Mitgliederkern der Arbeiter in der Industrie — im Wachsen begriffen sind. Nur wenn die Gewerkschaften stärker als bisher in der Gruppe der Angestellten Mitglieder gewinnen, können sie dem Schicksal entgehen, organisatorische Relikte eines vergehenden Industriezeitalters zu werden.
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