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Bisher galt der berühmte Periplus des Roten Meeres, der wie kein anderes aus der Antike erhaltenes Werk Einblicke in den Außenhandel und die Außenbeziehungen des Römischen Reiches gewährt, im allgemeinen als eine Schrift der hohen Kaiserzeit. Die zahlreichen gelehrten Beiträge zur Datierung der wegen ihres singulären und ganz unliterarischen Charakters nicht leicht zu bestimmenden Schrift pflegten fast ausnahmslos Ansätze zwischen etwa 45 und 90 n. C. zu diskutieren1. Lediglich J. T. Reinaud (Mém. Acad. Inscr. 24,2, 1864) versuchte schon vor hundert Jahren, die Entstehung oder doch Überarbeitung der Schrift ins 3. Jh. n. C. zu datieren, und J. A. B. Palmer (Class. Quart. 41, 1947, 136ff.) glaubte, indisches Parallelmaterial gefunden zu haben, aus dem sich mit Sicherheit die Abfassungszeit der Schrift in der ersten Hälfte des 2. Jh. ergibt. Reinaud wurde schon 1879 von August Dillmann sehr ausführlich widerlegt, und Palmers Versuch scheitert an der außerordentlichen Fragwürdigkeit aller nur aus indischen Daten gewonnenen Chronologie, die ihrerseits eher der Anhaltspunkte außerhalb Indiens bedarf (s. u. 31).
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