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„Zu allen Zeiten und in allen Städten haben übrigens Jugendliche aus dem gleichen Wohnquartier Banden gebildet und mit denen anderer Nachbarschaften Kämpfe ausgetragen. Dabei handelte es sich um natürliche Gesellungsvorgänge in der Protestphase der Pubertät. Erst bei Zielsetzungen wie denen der jugendlichen Gangs, die New Yorks Untergrundbahnen unsicher machen, hat der Unfug einen Destruktionsgrad angenommen, der ernsthaft gefährlich ist und prognostisch im Hinblick auf diese Zeichen der Verwahrlosung beunruhigen muss. Denn hier organisiert sich die nicht sozial integrierte und infantil bleibende bedenkenlose Aggressivität — ein Gradmesser für schlechten ‚Community-spirit‘“ (Mitscherlich 1965). Alexander Mitscherlich beschäftigt sich bereits 1965 in „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ mit damals aufkommenden Aggressivitäten jugendlicher Bewohner der ersten deutschen Trabantenstädte, die sich von ihrer Baustruktur her nicht grundsätzlich von den französischen Banlieues unterscheiden. Mitscherlich ist neben einzelnen Soziologen der Chicagoer Schule sowie den beiden französischen Soziologen Dubet und Lapeyronnie („Im Aus der Vorstädte“, 1994) der einzige namhafte Wissenschaftler, der einen direkten Bezug zwischen Architektur und Stadtplanung einerseits sowie dem Ausbrechen von so genannter „bedenkenloser“ Gewalt andererseits konstatiert. Die eigentlichen Gründe für diese Vorgänge sieht Mitscherlich in den Zerstörungen des über Jahrhunderte gewachsenen Verbundsystems Stadt und in den räumlichen Trennungen der einzelnen städtischen Funktionen. Trotz solcher städtebaulicher Entwicklungen sind die von Mitscherlich befürchteten Phänomene in den meist in den 70er Jahren unter dem Begriff der „Neuen Stadt“ entstandenen Trabantenstädten im Gegensatz zu dem französischen Pendant so nicht aufgetreten.
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