Hintergrund: In der psychologischen Diagnostik nimmt die Durchführung psychometrischer Verfahren insbesondere bei Kindern und Jugendlichen einen wesentlichen Stellenwert ein. Aktuell werden oftmals sprachfreie Intelligenztests verwendet, um unabhängig von den sprachlichen Fähigkeiten psychische Auffälligkeiten aufzudecken und Entwicklungsprognosen zu erstellen. Fragestellung: Ziel dieser Studie ist es zu prüfen, ob die Diagnostik mit sprachfreien Testverfahren bei Kindern mit einer auffälligen visuellen Wahrnehmungsleistung angemessen ist. Methode: Anhand einer Stichprobe von 172 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 9 bis 21 Jahren sollen die Zusammenhänge zwischen den visuellen Wahrnehmungsleistungen in Frostigs Entwicklungstest der visuelle Wahrnehmung für Jugendliche und Erwachsene (FEW-JE) und dem sprachfreien Intelligenztest Wechsler Nonverbal Scale of Ability (WNV) ermittelt werden. Zudem wird geprüft, ob Personen, die eine auffällige visuelle Wahrnehmung aufweisen, schwächere Ergebnisse in der WNV erzielen als gesunde Personen. Ergebnisse: Die Zusammenhänge zwischen den Leistungen im FEW-JE und der WNV sind als mittel bis stark einzustufen. Die Gruppe der Personen mit einer auffälligen visuellen Wahrnehmungsleistung erzielt signifikant schwächere Leistungen in der WNV als die Kontrollgruppe. Schlussfolgerungen: Sprachfreie Intelligenztests wie die WNV ermöglichen bei Personen, die eine auffällige visuelle Wahrnehmungsleistung zeigen, keine sichere Einschätzung der Intelligenz. Ein Intelligenztest, der auch sprachliche Inhalte erfasst, ist in diesen Fällen zu bevorzugen. Bei Verdacht auf eine auffällige visuelle Wahrnehmungsleistung sollte immer auch ein visueller Wahrnehmungstest eingesetzt werden. Der FEW-JE scheint hierbei ein geeignetes Instrument zu sein.
Imported from OpenAlex (CC0) — nothing here is generated.