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„Als Schriftsteller ist Proust jemand, der weiß, daß die Stunde der Wahrheit, gleich der Stunde des Todes, niemals rechtzeitig eintritt, da das, was wir Zeit nennen, eben im Unvermögen der Wahrheit besteht, mit sich selbst übereinzustimmen. A la recherche du temps perdu erzählt vom Fliehen der Bedeutung, aber dies bewahrt ihre eigene Bedeutung nicht davor, unaufhörlich auf der Flucht zu sein.“1 Vom Fliehen der Bedeutung, wie sie Paul de Man bei Proust beobachtete, handelt auch Christoph Ransmayrs dritter Roman, Morbus Kitahara. Darin entwirft der 1954 in Wels, Oberösterreich, geborene Autor einen bis zum letzten Detail durchdachten ästhetischen und somit wirklichkeitsfernen Raum. Doch keine Lektüre des 1995 — im Jahr unzähliger Gedenkrituale — erschienenen Romans kann den Prozeß, in dem das Entrücken der Bedeutung benennbarer geschichtlicher Ereignisse reflektiert wird, überlesen: Morbus Kitahara nimmt in sich markante Signifikanten einer verifizierbaren historischen Wirklichkeit — die Verfolgung und Ausrottung von Menschen, besonders der europäischen Juden, durch den nationalsozialistischen Staat — auf.
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