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1 Entwicklung von Reifegradmodellen als Gegenstand der Wirtschaftsinformatik Reifegradmodelle (engl.: Maturity Models) stellen hilfreiche Instrumente zur Standortbestimmung im Hinblick auf die eigene Leistungsfähigkeit dar.Sie beschreiben einen antizipierten, gewünschten oder typischen Entwicklungspfad eines Objekts (z.B. eine Organisation oder ein Prozess) in aufeinander folgenden, diskreten Rangstufen. 1 Ein Reifegradmodell formuliert, welche Merkmale mittels welcher Messvorschriften beurteilt werden müssen, um die Ist-Situation eines Objekts zu bestimmen und dieser eine definierte Güte bzw.Reife zuzuweisen.Zu einem gegebenen Zeitpunkt werden Beobachtungen gesammelt und validiert, um eine Zustandsaufnahme des betrachteten Objekts zu erhalten.Ausgehend von der ermittelten Ist-Situation lassen sich Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen ableiten.2 Eine Vielzahl an Reifegradmodellen wurde in den vergangenen Jahren sowohl von Vertretern der Praxis als auch Wissenschaftlern entwickelt.3 Softwarefirmen und Unternehmensberatungen präsentieren eine stetig wachsende Menge neuer Reifegradmodelle. 4 Aber auch aus den Kreisen der Wissenschaft werden vielfältige Reifegradmodelle vorgeschlagen.Es wird erwartet, dass Unternehmen in zunehmendem Maße auf Reifegradmodelle zurückgreifen werden, um ihre Leistungsfähigkeit zu bestimmen und darauf aufbauend Verbesserungen voranzutreiben.5 Recherchen zeigen, dass inzwischen mehr als hundert verschiedene Reifegradmodelle vorgeschlagen werden.6 Inhaltlich beziehen sich diese häufig auf Themen der Wirtschaftsinformatik bzw.auf den Einsatz von Informationstechnologie in Organisationen.Als einer der Ersten präsentierte Nolan mit seiner Stage Theory ein mehrstufiges Reifegradmodell im Kontext von Informationssystemen. 7 Sein Modell identifiziert basierend auf empirischen Untersuchungen aufeinander folgende Entwicklungsstufen der Informationsverarbeitung.Als das bekannteste Reifegradmodell gilt das Capability Maturity Model (CMM), das ab 1986 im Rahmen einer Initiative des US-Verteidigungsministeriums am Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie Mellon University in Pittsburgh entwickelt wurde.Es beschreibt Reifegrade von Softwareentwicklungsprozessen und diente 1 Vgl.de Bruin et al. (2005). 2 Vgl.IT Governance Institute (2007).3 Vgl.de Bruin et al. (2005).4 Vgl.Hewlett-Packard (2007); IBM (2007); OGC (2008); Sun (2005).5 Vgl.Scott (2007).6 Vgl. de Bruin et al. (2005).7 Vgl.Nolan (1973); Nolan (1979).-3für viele weitere Reifegradmodelle als Entwicklungsgrundlage.Seitdem wurden Reifegradmodelle für eine große Bandbreite unterschiedlicher Aspekte, die im Rahmen der Wirtschaftsinformatik behandelt werden, entwickelt.Diese sollen Unternehmen bei ihrer Fortentwicklung in Bereichen wie bspw.Geschäftsprozessmanagement 8 , E-Government 9 , Software Engineering 10 , Interorganisationssysteme 11 , Wissensmanagement 12 , oder IT-Management im Allgemeinen 13 unterstützen.Die Veröffentlichung immer neuer Reifegradmodelle für häufig sehr ähnliche Anwendungsbereiche erweckt aber zunehmend den Eindruck einer gewissen Beliebigkeit der vorgeschlagenen Modelle.Nur in seltenen Fällen wird überhaupt offen gelegt, wie die Entwicklung eines neuen Reifegradmodells motiviert war, in welchen Schritten es entwickelt wurde, wer an diesen Schritten beteiligt war und ob und wie evaluiert wurde, dass das neue Modell seine Funktion erfüllt.Ziel des vorliegenden Beitrags ist es daher, diesen unterstellten Mangel anhand der Entwicklungsprozesse bereits veröffentlichter Reifegradmodelle zu untersuchen.Hierzu werden in Kapitel 2 zunächst die Anforderungen erarbeitet, die an die Dokumentation von Reifegradmodellentwicklungen zu stellen sind.Diese motivieren sich aus der typischen Struktur und Funktion von Reifegradmodellen (Abschnitt 2.1) sowie dem iterativen Charakter der Modellentwicklung (Abschnitt 2.2).Die resultierenden Anforderungen werden in Abschnitt 2.3 zusammengefasst dargestellt.In Kapitel 3 erfolgt die Untersuchung der Dokumentation zu Entwicklungsprozessen von Reifegradmodellen.Zunächst wird das Ziel der Untersuchung definiert (Abschnitt 3.1).Es folgt eine Darstellung des Vorgehens (Abschnitt 3.2).Abschnitt 3.3 gibt einen vollständigen Überblick über die Untersuchungsergebnisse. Der Beitrag schließt in Kapitel 4 mit einem Fazit.Zusätzlich wird ein Ausblick auf die Weiterführung der in diesem Beitrag vorgestellten Arbeiten gegeben.
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