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ZusammenfassungIn den Jahren 1960/1961, als Kuhn ein Mitglied der philosophischen Abteilung der Universität Kalifornien in Berkeley war, hatte ich das Glück, mit ihm über verschiedene Aspekte der Wissenschaft Gespräche führen zu können. Ich habe von diesen Diskussionen eine Unmenge gelernt, und ich sehe die Wissenschaft seither in einem völlig neuen Licht.2) Aber während ich Kuhns Probleme zu erkennen glaubte und während ich versuchte, gewisse Aspekte der Wissenschaft zu verstehen, auf die er verwiesen hatte (Beispiel: die Allgegenwärtigkeit von Anomalien), war es mir ganz unmöglich, die Wissenschaftstheorie zu akzeptieren, die er empfahl, und die allgemeine Ideologie, die meiner Ansicht nach den Hintergrund seiner Überlegungen bildete, schien mir noch größeren Einwänden ausgesetzt. Diese Ideologie, so glaubte ich, war nichts anderes als eine Grundlage für ein eingebildetes und kurzsichtiges Spezialistentum. Den Fortschritt des Wissens würde sie hemmen, und sie würde auch jene antihumanitären Tendenzen stärken, die ein so beunruhigender Zug des Großteils der nachnewtonschen Naturwissenschaft sind.3) In allen diesen Punkten blieben meine Diskussionen mit Kuhn ergebnislos. Mehrmals unterbrach er eine lange Predigt von mir mit dem Hinweis, daß ich ihn mißverstanden hätte oder daß unsere Ansichten einander näher stünden, als ich es hätte erscheinen lassen. Wenn ich nun heute an unsere damaligen Debatten zurückdenke,4) so scheint es mir, daß ich mit meinen Zweifeln nicht völlig im Irrtum war. Meine Ansicht wird erhärtet durch den Umstand, daß so gut wie alle Leser von Kuhns Struktur das Werk in ähnlicher Weise verstehen und daß gewisse Tendenzen in der modernen Soziologie und Psychologie das Ergebnis genau dieser Interpretation sind. Ich hoffe also, daß mir Kuhn verzeihen wird, wenn ich unsere alten Probleme wieder in Angriff nehme, und daß er es mir nicht übelnehmen wird, wenn ich mich in meinem Versuch zur Kürze gelegentlich etwas schroff ausdrücke.
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