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Das Mäzenatentum von Geschäftsleuten im 19. Jahrhundert Die Sammlungen der Finanzleute und Industriellen, Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Moment des sozialen Status werdend und in der ersten Hälfte des Jahrhunderts noch weniger Ausdruck persönlichen Geschmacks als vielmehr Mittel zur Nachahmung der Aristokratie, wurde in der Folge zum wesentlichen Vermittlungsglied bei der Einflußnahme der Geschäftsleute auf die Künstler. Zwar fînden sich unter den Gemäldesammlungen Bilder aus allen Epochen, doch ist holländische Kunst aus dem 17. Jhdt. sehr stark vertreten, wie diese ja überhaupt einen vorherrschenden Einfluß auf die französische Kunst dieser Zeit ausübt. Mehr und mehr jedoch geraten diese Sammlungen zum Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Eigentumer. Damit einher geht der Sieg avantgardistischer Kunst über die herkömmliche oder akademische. Die steigende Zahl der Malschulen und der Originalitätskult finden so in den Erwartungen der Sammler des ausgehenden Jahrhunderts sowohl Ursprung wie Aufnahmeträger. J. de Camondo und J. Dollfus z.B. sind Liebhaber impressionistischer Bilder, während die großen Couturiers, Poiret, Doucet, J. Lanvin ihr Geld in die Fauves stecken. Indessen nimmt das Mazenatentum im 19. Jhdt. auch andere, weniger noble aber fur die Künstler vielleicht umso entscheidendere Formen an : Verleger illustrierter Bücher (herkömmlicher Qualität wie auch bibliophiler Ausgaben) geben den Künstlern neben finanziellen Mitteln auch Gelegenheit, bekannt zu werden. Zu zentralen Vermittlern ewischen Künstler und Kunstliebhaber werden insbesondere die Kunsthändler. Ihre Roue ist wie die der Sammler ebenso symbolischer wie ökonomischer Natur. Cadart z.B. hat wesentlichen Anteil an der Erneuerung der Radierung. Durand-Ruel macht die Impressionisten in Amerika bekannt. Vollard unterstützt Cézanne und bietet seinen Malern neue Ausdrucksmittel. Spitzer und Bing werden zu echten Förderern der «Neuen Kunst» und der neuerlichen Blute des Kunstgewerbes um 1900. Diese vielfältigen Vernüpfungen und Begegnungen stellen das herkömmliche Bild vom philisterhaften Bourgeois und vom verfemten Künstler nachhaltig in Frage.
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