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Zusammenfassung: Die gesellschaftliche Brisanz von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrom) zeigte sich zunächst an dem fehlenden Wissen über Ursache, Diagnosemöglichkeit und Evolution dieser hoch ansteckenden und lebensbedrohenden Erkrankung.SARS wurde als globale Gefahr wahrgenommen, da das Virus sich entlang internationaler Flugrouten auszubreiten vermochte und eine SARS Pandemie nicht auszuschließen war.Die grenzüberschreitende Migration von SARS wurde dadurch zu einem kosmo-politischen Ereignis, das individuelles Leben gefährdete und dem es gelang, tradierte gesellschaftliche Ordnungsmechanismen und -kalküle zu verunsichern und zu verändern.Anknüpfend an den ›spatial turn‹ innerhalb der sozialwissenschaftlichen Forschung versuchen wir die sozial-räumliche Bedeutung (Topologie) von SARS zu rekonstruieren.Das Phänomen SARS lässt sich gesellschaftswissenschaftlich nur ungenügend fassen, würde man methodologisch die soziale Dimension von SARS im Unterschied zur stofflichmaterialen und individuell-körperlichen Dimension konzipieren.Die Migration von SARS zeigt, so unsere These, wie der Objektbereich sozialwissenschaftlicher Methoden in Frage gestellt wird, da er in der Verknüpfung mit dem Nicht-Sozialen als erklärungsbedürftig erscheint.Unser methodologischer Vorschlag ist, die topologische Komplexität von SARS als Akteur-Netzwerk zu erfassen.Ein Akteur-Netzwerk reflektiert ein prozessuales Raumkonzept, das es erlaubt, gesellschaftswirksame Akteure als die Verknüpfung von menschlichen und nicht-menschlichen Relationen sichtbar zu machen.1. Global Assemblages Am Ende des Jahres 2002 traten in der südchinesischen Provinz Guangdong die ersten Fälle einer neuartigen Atemwegserkrankung auf, die den Namen SARS (Severe Acute Respiratory Syndrom) erhalten sollte.Die Neuartigkeit von SARS machte sich an den unbekannten Ursachen für diese hoch ansteckende und lebensbedrohende Erkrankung fest.Ihre besondere Gefährlichkeit lag darin, dass sie sich entlang internationaler Flugrouten auszubreiten vermochte und die Möglichkeit einer SARS Pandemie nicht auszuschließen war.Am 15.März 2003 landete in Frankfurt am Main ein Flugzeug aus New York.An Bord befanden sich drei SARS-Verdachtspatienten. Es handelte sich dabei um einen Arzt aus Singapur, der in New York an einem Kongress teilgenommen hatte und der zusammen mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter reiste.Der Arzt hatte zuvor in Singapur Patienten mit einer unbekannten Atemwegserkrankung behandelt.In New York erkrankte er und suchte einen Arzt auf.Dieser stellte die Diagnose einer Lungenentzündung und behandelte diese, doch die Therapie schlug nicht an.Daraufhin beschloss der Arzt aus Singapur die Heimreise anzutreten, um sich daheim auszukurieren.Vor seinem Abflug informierte er jedoch seine Heimatklinik über seine Erkrankung.In der Zwischenzeit häuften sich bei den lokalen Büros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Meldungen über zahlreiche, ungewöhnlich verlaufende Atemwegserkrankungen in chinesischen Krankenhäusern.Die WHO rief daraufhin am 13.Februar 2003 einen weltweiten Alarm aus (WHO 2003a).Durch diesen Alarm aufmerksam geworden, informierte auch die Singapurer Klinik die WHO über die Erkrankung eines ihrer Mitarbeiter.Die WHO gab diese Information an ihre lokalen Partner in New York weiter, die nun versuchen, den Arzt und seine Familie ausfindig zu machen.Die Befürchtungen gehen dahin, dass bei weiteren Infektionen durch den Arzt auf dem Flug von New York die Erkrankung in die ganze Welt verschleppt werden könnte.Der Flughafen Frankfurt am Main ist eine Zwischenstation des Fluges von New York.Hier steigen die Passagiere um und reisen dann in die verschiedensten Länder weiter.
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