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Die aktuelle Diskussion innerhalb der Regionalsprachenforschung ist durch eine Ergänzung der traditionellen Forschungsperspektive gekennzeichnet: Nicht mehr allein die Emittentenrolle wird fokussiert, sondern die bei den Sprachteilhabern zu beobachtende Wahrnehmung und Konzeptualisierung regionalsprachlicher Variation.Diesen Perspektivwechsel markiert Christina Ada Anders in der vorliegenden Arbeit durch den Terminus "Wahrnehmungsdialektologie", wobei zu fragen wäre, ob ein alternativer Terminus wie "Perzeptionsgeographie" die Sache nicht noch genauer trifft.Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass es weniger die (lokal)dialektalen Merkmale sind, die bei den Sprachteilhabern Raumkonzepte konstituieren, sondern eher klein-und großregional verbreitete Merkmale (Kehrein, Lameli & Purschke 2010: 365).Die Ergänzung der variationslinguistischen Sprecher-durch eine Hörerperspektive hat international eine längere Tradition, wie Anders in ihrem sehr erhellenden Forschungsbericht (S. 26-42) zeigt.Antonius A. Weijnen hat 1946 eine erste perzeptionslinguistische Studie zur dialektalen Gliederung der Niederlande vorgelegt, Sibata u. a. haben ab 1957 die japanischen Regionalsprachen mit vergleichbaren Methoden untersucht (Sibata 1959, Grootaers 1959).Der internationale Durchbruch der Perzeptionslinguistik geht dann im Wesentlichen auf Dennis R. Preston zurück (1982, 1999).Für das Deutsche ist nach frühen Ansätzen (Mattheier 1983, Herrgen & Schmidt 1985, Mattheier 1985, Diercks 1988) erst in den letzten Jahren eine stärkere perzeptionslinguistische Forschungsaktivität zu beobachten.Sichtbarer Ausdruck sind eine Vielzahl einschlägiger Veröffentlichungen und Forschungsprojekte sowie die Kieler Fachtagung zur "Perceptual dialectology", in der der aktuelle Forschungsstand dokumentiert ist (Anders, Hundt & Lasch 2010).Um es vorwegzunehmen: Die groß angelegte Studie von Anders demonstriert auf beeindruckende Weise, wie ergiebig perzeptions-und kognitionslinguistische Verfahren in der Variationslinguistik sein können.Die Verfasserin geht davon aus, "dass der deutschsprachige linguistische Laie über ein ausgeprägtes Diskriminationsvermögen auf regionaler Sprechlagenebene verfügt" (S. 51), und dieses macht sie sich zunutze, um die Strukturen
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