No open-access location is known for this record yet.
No open-access location is known for this record yet.
KRAPP Öbservanzbewegungen, monastische Spiritualität und geistliche Literatur im 15.Jahrhundert 1 Die große Bedeutung der monastischen Reformbewegungen im 15.Jahrhundert für die Produktion und Rezeption geistlicher Literatur in der Volkssprache ist inzwischen umfassend dokumentiert.Der Beitrag würdigt die bisher geleistete Forschung und versucht, die Verbindung zwischen Reformprogrammatik, der für die Frauenklöster propagierten Spiritualität und dem über die Observanzbewegung verbreiteten Schrifttum zu erhellen.The great importance of the monastic reform movements in the 15th century for the production and circulation of religious literature in the vernacular has been amply documented by recent research.The article offers an assessment of this research and analyzes the connection between reform programmatics, the spirituality propagated in the observant monasteries and the literature circulating within the reform movement.Befaßt man sich mit der Überlieferungsgeschichte volkssprachlicher geistlicher Literatur im 15. und frühen 16.Jahrhundert, so führen uns die Provenienzen der Handschriften und Druckexemplare immer wieder auf die gleiche Spur.Im süddeutschen Sprachraum stammen Bücher aus ursprünglich monastischem Besitz so gut wie ausschließlich aus Klöstern, in denen eine Reform entweder erfolgt war oder zumindest nennenswerte Anstrengungen in diese Richtung -sei es von außen oder von innen -unternommen wurden. 2 Während in nichtobservanten Der Beitrag ist eine leicht überarbeitete Fassung eines Vortrags, den ich im Oktober 1993 auf Einladung des Göttinger Graduiertenkollegs auf dem Kolloquium >Kirchliche Reformen und Literaturverbreitung im 15.Jahrhundert« gehalten habe.VgL Werner Williams-Krapp: Ordensreform und Literatur im 15.Jahrhundert.In: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft 4 (1986/1987), S. 41-51; W. W.-K.: Die deutschen und niederländischen Legendare des Mittelalters.Studien zu ihrer Überlieferungs-, Text-und Wirkungsgeschichte.(Texte und Textgeschichte 20) Tübingen 1986, S. 356-365.Differenzierend auf die Situation in Augsburg bezogen: Klaus Graf: Ordensreform und Literatur in Augsburg während des 15.Jahrhunderts.In: Johannes Janota/Werner Williams-Krapp (Hg.)'Literarisches Leben in Augsburg während des 15.Jahrhunderts (erscheint Tübingen 1995)* Zweifellos muß man Graf beipflichten, wenn er den Beitrag frommer Laien am Aufblühen der Buchkultur im 15.Jahrhundert betont, dennoch scheint er mir in seinem Versuch, die Bedeutung der Ordensreformen an diesem Prozeß zu relativieren» nur schwer zu erschütternde Ergebnisse der jüngsten germanistischen Forschung auszublenden.Während z* B, der rege Bücheraustausch unter reformierten Konventen oder die Schenkung von Büchern an obscrvante Häuser breit dokumentiert ist, laßt sich laikales Engagement bei der Verbreitung von geistlicher Literatur außerhalb der eigenen Heimatstadt nur punktuell belegen« Graf mußte auch plausibel machen, welches größere Interesse etwa Kaufleute daran gehabt haben könnten, Handschriften zur Abschrift in andere Städte zu beför-Werner Williame-Krapp Klöstern offenbar sehr wenig Interesse an der aufblühenden Buchkultur des 15.Jahrhunderts bestand, ging die Einführung der strengen Observanz in der Regel mit der Pflege von gemeinschaftlicher Lektüre, mit der Einrichtung einer Bibliothek, eines Skriptoriums und, nach Möglichkeit, eines zumindest rudimentären Schulbetriebs einher.3 Der Überlieferungsbefund ist jedenfalls derart eindeutig, daß es sich kaum um einen wie auch immer zu erklärenden Zufall handeln kann, zumal die Zahl der nichtobservanten die der Reformkonvente bei weitem überstieg.Angesichts der Tatsache, daß nur ein relativ kleiner Teil aller Frauenklöster des deutschsprachigen Raums sich einer Reform anschloß und daß der große Aufbruchselan in den observanten Konventen häufig bald versandete, erscheint die überragende Bedeutung der Observanzbewegungen für die volkssprachliche Literatur um so bemerkenswerter.So war der Reformeifer im elsässischen Musterreformkloster Schönensteinbach bereits in den 30er Jahren des 15.Jahrhunderts merklich abgeflaut.Dennoch hatten die Observanzbewegungen bis zur Jahrhundertmitte in den bedeutenden Städten im Süden überall Fuß gefaßt, auch in jenen Städten, in denen wenig später das Druckergewerbe florieren sollte.4 Dort, wo keine oder nur unbedeutende Reforminitiativen ergriffen wurden, etwa im ostmitteldeutschen Raum, fällt die Überlieferung volkssprachlicher Literatur relativ gering aus.Es dürfte auch kaum Zufall sein, daß aus den Konventen der dominikanischen Ordensprovinz Saxonia, in der Reformerfolge weitgehend ausblieben, im Vergleich mit den Klöstern der Teutonia nur wenige Handschriften bekannt sind.dem, wenn nicht im Auftrag der Reformkräfte arbeitend.Es ist z.B. belegt, daß Nürnberger Kaufleute, die an Handelsbeziehungen nach St. Gallen teilhatten, als Übermittler von Briefen und Büchern an das sich selbst reformierende St. Galler Katharinenkloster dienten (vgl.dazu M. Thoma Vogler: Geschichte des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in St. Gallen, Fribourg 1938, S. 56).Daß es auch laikalen Bücheraustausch auf überregionaler Basis gegeben hat, soll damit keineswegs bestritten werden.Dennoch ist er m.E. als Verbreitungsfaktor von religiösem Schrifttum sicherlich weitaus geringer einzuschätzen als das dichte Verbreitungsnetz der Observanzbewegungen. Vgl.Kaspar Elm: Verfall und Erneurung des Ordenswesens im Spätmittelalter.Forschung und Forschungsaufgaben.In: Untersuchungen zu Kloster und Stift.(Veröffentlichungen des Max-Planck-
Loading…
Stored only when both papers are in the corpus — 37 citations exist upstream.
Papers that cite the same references — the relational fallback while embeddings are still backfilling.
Imported from OpenAlex (CC0) — nothing here is generated.