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Am 16.9.2002 wurde in Deutschland ein Tabu gebrochen. Als erste bundesrepublikanische Zeitung sprach die Financial Times Deutschland (FTD) eine Wahlempfehlung aus. Die in Hamburg erscheinende Wirtschaftszeitung rief in einem ganzseitigen Leitartikel dazu auf, der Union und damit ihrem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber die Stimme zu geben. Die Union böte die besten Aussichten für eine Politik des wirtschaftlichen Wachstums und der internationalen Integration. Versehen war die Empfehlung mit folgendem Hinweis: „Unsere Absicht ist es, mündigen und kritischen Lesern einen Diskussionsbeitrag zu liefern“. Andere meinungsführende Medien — aber auch einige Wissenschaftler — lehnten die Praxis des Endorsements ab. „Ein Blatt, das sich mit einer Empfehlung in das politische Geschäft einmische, so der allgemeine Tenor, verliere seine Unabhängigkeit und damit seine Glaubwürdigkeit“ (Rettich 2002: 10). Journalisten sind dann nicht mehr nur Beobachter, sondern selbst politische Akteure, die in die Entscheidungsfindung der Wählerinnen und Wähler eingreifen. Die Bild-Zeitung (16.9.2002) befragte Journalisten, was sie von Endorsements hielten:
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