Zeit und Raum sind zwei Dimensionen, mit denen sich Sozialwissenschaftler schwer tun (vgl. Elias 1984); gerne werden Aspekte von Zeit1 und Raum an die Spezialdisziplinen Geschichte und Geographie delegiert und allenfalls über Anschlußtheorien der Kontakt gehalten. In der Tradition des kritischen Rationalismus werden Hypothesen explizit als unabhängig von Zeit und Raum postuliert, denn soziale Gesetze treffen nur dann zu, wenn sie immer und überall gelten. Während Zeitbezüge in der Soziologie noch vereinzelt expliziert werden und es über die Notwendigkeit der historischen Einbindung von Gegenwartsanalysen kaum einen ernsthaften Dissens gibt (gleichwohl der Anspruch bei weitem nicht immer eingelöst wird), kann man den Eindruck gewinnen, den Sozialwissenschaften sei der Raumbezug völlig entglitten. Parsons geht in seiner Systemtheorie davon aus, daß jedes Handeln im eigentlichen Sinne zeitlich sei, nicht aber räumlich (Parsons 1967: 45), und auch die Phänomenologie räumt zwar ein, daß die „Alltagswelt ... räumlich und zeitlich strukturiert“, doch sei die „räumliche Struktur“ für die Überlegungen “ziemlich nebensächlich” (Berger and Luckmann 1969: 29). Auch Castells (1976: 70) — Begründer der „new urban sociology“ — sieht in einer sozialwissenschaftlichen Analyse zwar ein legitimes Unterfangen, aber „Raum“ „... is not a theoretical object, but a real object, since space is a material element and not a conceptual unit“.
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