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I. Seit ihrer neueren Begrundung im Zuge der Wiederentdeckung der linguistischen Pragmatik hat sich die empirische Gesprachs- und Interaktionsforschung uber die Jahrzehnte hinweg als eine lebendige, sowohl empirisch ertragreiche als auch methodisch innovative Forschungsrichtung erwiesen. Mit der Erschliesung immer neuerer Forschungsbereiche und der Weiterentwicklung des analytischen know how hat die Auseinandersetzung mit der Theorie und Methodologie dieses Forschungsgebietes aber wohl nicht gleichermasen Schritt gehalten. Jedenfalls drangt sich dieser Eindruck auf, wenn man die im weitesten Sinne gesprachsanalytische (und wohl allgemein: linguistische) Rezeption und Weiterentwicklung kommunikations- und interaktionstheoretischer Entwurfe verfolgt: Einer anfanglichen Aufgeschlossenheit sowohl gegenuber der Aufgabenstellung einer allgemeinen Kommunikations- bzw. Interaktionstheorie als auch gegenuber vornehmlich soziologischen (Vor)Arbeiten dazu steht insbesondere in den 90er Jahren eine weitreichende Abstinenz gegenuber, was die Rezeption neuerer kommunikations- und interaktionstheoretischer Entwicklungen betrifft. Und das, obwohl gerade in diesem abgelaufenen Jahrzehnt kommunikationstheoretische Fragestellungen interdisziplinar sehr viele neue Impulse erhalten haben. Aus dem Blickwinkel einer Forschungspraxis, die einem alltagssprachlichen Ausdruck fur Kommunikation bzw. Interaktion ihren Namen verdankt und darin wohl letztlich auch ihren originaren Gegenstand hat, ist dieses weitgehende Desinteresse an neueren Kommunikations- und Interaktionstheorien wohl ohne Ruckgriff auf sachfremde Entwicklungen nachvollziehbar. Man darf vermuten, das diese Art von Theorieverzicht dafur mitverantwortlich ist, das nicht nur die Methodologie, sondern auch die publizierte Methodik der Gesprachsforschung bislang hinter dem hinterherzuhinken scheint, was sich in der Forschungspraxis schon seit langerem als methodischer common sense konsolidiert und bewahrt hat. Unbeschadet der verschiedenen Stromungen innerhalb der Gesprachsanalyse gibt es zweifellos eine Anzahl schulenubergreifend anerkannter methodischer Prinzipien, die fur die Gute gesprachsanalytischer Arbeiten ausschlaggebend, aber bislang kaum expressis verbis kanonisiert sind (S.8) 1 – was die haufig anzutreffende Ausenwahrnehmung der Gesprachsanalyse als einer methodisch eher 'weichen' Forschungsrichtung sicher mitbeeinflust hat.
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