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Zu den zentralen Unterschieden zwischen geschriebener und gesprochener Sprache gehört es, daß geschriebene Sätze oder Texte als graphisch kodifiziertes, abgeschlossenes und monologisches Produkt rezipiert werden, während gesprochene Sprache phonisch vermittelt wird und sich in einem zumeist dialogischen Äußerungsprozeß1 in der Zeit entfaltet, wobei sie wesentlich von den formal-organisatorischen Mechanismen der Kommunikation mit einem oder mehreren Gesprächspartnern geprägt ist. Gesprochene Sprache entfaltet sich also in der Interaktion, und ohne Rekurs auf diese Tatsache kann sie nicht adäquat analysiert werden. Diese wichtigen Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache haben u. a. dazu geführt, daß für die Analyse der ersteren eigene Transkriptionssysteme entwickelt werden mußten. Nur, wenn die durch die Interaktion geprägten Entstehungsspuren nicht bei der für die Analyse notwendigen Verschriftlichung getilgt werden, bleiben ja die konstitutiven Eigenschaften der gesprochenen Sprache, ihr prozessualer Charakter und ihre Verankerung in der Interaktion sichtbar und zugänglich.2 Über die gegenstandsadäquate Verschriftlichung hinaus mußten für die gesprochene Sprache jedoch in großem Umfang eigene theoretische Beschreibungskategorien entwickelt werden, die ihrer interaktioneilen Natur Rechnung tragen. Hier hat sich die Konversationsanalyse3 als eigener Forschungsbereich etabliert und mit so zentralen Konzepten wie ‚Redezug‘, ‚Paarsequenz‘, ‚Rezipientenorientierung‘ oder ‚Reflexivität‘ die notwendigen theoretischen Grundlagen und methodischen Vorgehensweisen entwickelt. Aus den essentiellen Unterschieden zwischen gesprochener und geschriebener Sprache ergeben sich also zwangsläufig auch methodisch-theoretische Unterschiede zwischen Konversationsanalyse und Grammatikforschung.
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