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Erzähltheorie, Narratologie und narrative Semiotik basieren einerseits auf der Erkenntnis, dass Erzählungenein „besonders effektives System der diskursiven Sinnproduktion“ sind, und anderseits auf der Annahme, dass Narrative ihre Bedeutung auch in der (post-)modernen Gesellschaft im Hinblick auf die Konfi guration der „Bedingungen der Möglichkeit sozial signifi kanter Überzeugungen“ keineswegs verloren haben (White 1990: 8 f.; Barthes 1988). Vor diesen beiden Hintergrundprämissen lassen sich meine folgenden Überlegungen wiederum von der These leiten, dass die narrative Diskursanalyse, im Sinne Paul Ricoeurs (2005a; 2005b; 2007), auch zu einer Klärung des Verhältnisses der drei Leitbegriffe dieses Bandes „DISKURS – MACHT – SUBJEKT“ beitragen kann. Ich selbst habe Ricoeurs Konzept narrativer Diskurse in verschiedenen Beiträgen bislang in einer Weise aufgegriffen, im Rahmen derer die narrative Konfi guration und Refi guration von Sachverhalten, Institutionen, kategorialen Grenzziehungen und intervenierenden Ereignissen rekonstruiert wurde, so etwa bezogen auf die Refi guration des Weltklimas als bedeutungsvolle Klimakatastrophedurch Diskurskoalitionen aus Klimaforschung, Öffentlichkeit und Politik.An dieser Stelle möchte ich hingegen das Konzept narrativer Konfi gurationenversuchsweise auf das Problem der sich historisch wandelnden Subjektivierungs-, bzw. Personalisierungsweisen beziehen, gehört doch seit Descartes (1596–1650), Kant (1724–1804) und Fichte (1762–1814) das autonom denkende und moralisch handelnde Subjekt (und dessen personale Identität) zu jenen „Instanzen“, die den kulturellen Kern moderner, westlich orientierter Gesellschaften auszumachen scheinen (Beer / Sievi 2010). Soziologisch gewendet, wird diese Fassung des Subjekts bereits in Durkheims Bemerkungen zum Kult der Personmanifest. Das autonome Subjekt ist hier jedoch nicht mehr Produkteines wie immer gearteten subjektiven oder objektiven Geistes, sondern der arbeitsteiligen Gesellschaft (Durkheim 1992: 473 ff.).
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