Will man Alter(n) im Fadenkreuz von Individualisierung und Vergesellschaftung (Prahl,Schroeter 2000) betrachten, lohnt ein theoretischer Rückgriff auf bewährtes soziologisches Gedankengut. Denn das Soziale konstituiert sich über die „Wechselwirkung“. Darüber waren sich schon die Klassiker des Faches weitgehend einig. Die soziale Ordnung, so lehrt uns Tönnies ([1887] 1979, S. 3), gründet sich auf dem gegenseitigen Willen der Akteure, genauer auf dem Weserwillen der Gemeinschaft bzw. auf dem Kürwillen der Gesellschaft, denn ohne Willen ist kein Handeln möglich. Und auch bei Weber erfährt die Wechselwirkung einen gesellschaftskonstituierenden Charakter, wenn er (Weber [1922] 1985, S. 11) in seiner klassischen Definition das soziale Handeln als ein sich am vergangenen, gegenwärtigen oder künftig erwarteten Verhalten anderer orientiertes Handeln versteht und damit dessen reziproken Charakter herausstellt. Simmel ([1890] 1989, S. 130) erhebt die Wechselwirkung gar zum „regulativen Weltprinzip“, wenn er davon ausgeht, „daß Alles mit Allem in irgend einer Wechselwirkung steht, daß zwischen jedem Punkte der Welt und jedem andern Kräfte und hin- und hergehende Beziehungen bestehen“. Nach solcherart Verständnis ist „Gesellschaft (...) nur der Name für die Summe dieser Wechselwirkungen“ (Simpel [1890] 1989, S. 131). Dazu hat Elias ([1939] 1987, S. 44) kritisch eingewandt, daß „die Figur, die bei der Begegnung von Menschen entsteht, die ,Verflechtungserscheinungen‘, (...) etwas anderes (sind) als eine solche ,Wechselwirkung‘ von Substanzen, als ein rein additives Zu- und Auseinander.“
Stored only when both papers are in the corpus — 13 citations exist upstream.