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Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Selektivitätsstrukturen und -kontexte von Journalisten und Rezipienten bezüglich der TV-Nachrichtenberichterstattung über Migranten zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei speziell auf der veränderten politischen Lage nach dem 11. September 2001. Studien zur Berichterstattung über Migranten in Deutschland zeigen trotz verschiedener Untersuchungsanlagen und -kontexte im Wesentlichen ähnliche Befunde: Meldungen über Migranten und Migration sind noch immer überwiegend von Negativität geprägt, Migranten werden häufig mit Kriminalität in Verbindung gebracht, es zeigt sich eine negative Aktiv-Passiv-Bilanz. Nachrichtenfaktoren wie Kontroverse, Schaden, Aggression und Demonstration bestimmen die journalistische Selektivität, die Berichterstattung ist emotionalisiert und sensationalistisch. Erfolgreiche, gut integrierte Migranten werden kaum dargestellt und gelten eher als Ausnahme oder untypische „Subkategorie“ der Kategorie „Ausländer“. Die vorliegende Studie überprüft diese Befunde in einem veränderten politischen Kontext an einer aktuellen Stichprobe aus dem Jahr 2003. Unter Berücksichtigung des internationalen Terrorismus und der damit verbundenen Ereignisse wird eine thematische Veränderung der Berichterstattung über Migranten und Migration in Deutschland erwartet. Gleichwohl ist anzunehmen, dass sich die grundlegenden Muster und Tendenzen der Nachrichtengebung zum Thema aus früheren Studien bestätigen lassen. Die Terroranschläge des 11. September 2001 sowie in Madrid 2004 und in London 2005 haben die Öffentlichkeit alarmiert und die Diskussion über Sicherheit und religiöse und kulturelle Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen neu entfacht. Vor diesem Hintergrund postulierten amerikanische Wissenschaftler einen neuen Inhaltsframe der Medienberichterstattung, den „war on terrorism frame“, der mit einer Überschätzung der terroristischen Gefahr sowohl durch Journalisten als auch durch Rezipienten einhergeht. Es stellt sich die Frage, ob sich eine solche inhaltliche Verschiebung der Nachrichtengebung auch in Deutschland beobachten lässt. Anhand einer Stichprobe von 285 Meldungen über Migranten und Migration aus dem Jahr 2003, entnommen den TV-Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und SAT.1, lässt sich ein solcher Terror-Frame in der Tat auch für Deutschland nachweisen. Mehr als ein Drittel der Berichterstattung über Migranten und Migrationsthemen in Deutschland steht im generellen Fokus der Terrorismusdebatte. Die am häufigsten erwähnten Nationalitäten sind Marokkaner und Türken. Im Vergleich zu früheren Studien lässt sich eine thematische Verschiebung weg von den klassischen, politischen Migrationsthemen hin zu verstärkt sensationalistischer Berichterstattung über Terrorismus und Kriminalität konstatieren. Verglichen mit anderen innenpolitischen Nachrichtenthemen zeichnen sich Meldungen über Migranten und Migration durch einen hohen journalistischen Beachtungsgrad aus, der sich durch Visualisierung erklären lässt. Betrachtet man die Nachrichtenfaktoren wie Personalisierung, Aggression und Berichte über Migranten im Zusammenhang mit dem Thema Terrorismus im Speziellen, ergeben sich vier Cluster der Berichterstattung, die sich stark in Vorkommen und Ausprägung der Nachrichtenfaktoren unterscheiden: „Visualisierter Terror vor Gericht“, „Vereitelter Terror und Terrorgefahr“, „Urteile im Terrorprozess“ und „Anonyme Islamisten vor Gericht“. Dabei ist auffällig, dass offenbar bestimmte Selektionskriterien wie Schaden, Kontroverse oder Aggression gar nicht gegeben sein müssen, um über das Thema Terrorismus im Zusammenhang mit Migranten in Deutschland zu berichten. Allein eine potentielle Terrorgefahr oder vermeintliche Bedrohung scheint als Anlass zu genügen. Dies stimmt nachdenklich in Bezug auf das öffentliche Bild von Migranten und deren Integration in der deutschen Gesellschaft.
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