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Für Mama hörte Europa südlich der Alpen auf. Alles darüber war für sie zu nordisch und zu kühl. Baba ging in Opposition. Für ihn begann Europa nördlich der Alpen. Er mochte die Ordnung und Sicherheit auf deutschen Autobahnen. […]. Über dieses Thema gerieten meine Eltern sich oft in die Haare, und meistens endete es in der Grundsatzfrage: Wo sollen wir leben? In Berlin oder in Istanbul? Meine Eltern waren ein Nord-Süd-Gefälle. Die kulturwissenschaftliche Konjunktur des Topographischen2 hat m.E. zwei Gründe. Auf der einen Seite stellt die Inblicknahme des Raumes eine letzte Konsequenz der poststrukturalistischen Infragestellung scheinbar selbstverständlich gegebener Einheiten dar — letzte Konsequenz deshalb, weil der Raum tatsächlich, trotz des abstrakten Wissens seiner Relativität dem Alltags-bewußtsein in sehr viel höherem Maße als gegeben erscheint als etwa die Zeit. Im Zuge des ›cultural turn‹ geriet die Problematisierung des Raumes in die generelle Perspektive der kulturwissenschaftlichen Konstruktionsdiagnose. Gleichzeitig stellt der Raum neben der Zeit die privilegierte Anschauungskategorie dar, innerhalb derer sich der Gegenstand der Kulturwissenschaften, die ›Kultur‹, wie immer man sie im Einzelnen definieren möchte, ereignet. Von daher ist es nicht weiter erstaunlich, daß sich der Raum zu einem solch prominenten kulturwissenschaftlichen Thema entwickelt hat und über die Raumdiskussion gleichsam Anspruch und Möglichkeiten des kulturwissenschaftlichen Ansatzes selbst zur Debatte stehen.
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