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Aus der Perspektive der Literaturwissenschaft stellt die Zahl ›1968‹ ein geläufiges Eckdatum dar, wenn es darum geht, Zäsuren in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts zu fixieren, zumal wenn diese Literaturgeschichte eine sozialhistorisch ausgerichtete ist. Das Problem, das sich dabei einstellt und das die Neuphilologie mit anderen Geisteswissenschaften teilt: Eine allgemeingültige Bestimmung, was denn ›1968‹ eigentlich repräsentiere und welche Art der Zäsur es eventuell markiere, gibt es nicht. Die geläufigste Assoziation, mit der ein Philologe auf diese Zahl reagiert, lautet ›Politisierung‹ — mit gutem Grund freilich, denn in der Tat gab es vehemente Versuche, Literatur unter diesem Aspekt zu operationalisieren und für politisch-ideologische Zwecke zu instrumentalisieren. Da wäre zu denken an die Agit-Prop-Lyrik, an das Dokumentartheater oder an die Arbeiterliteratur, vor allem aber an die politische Essayistik der Schriftsteller, die sich damit im literarischen Feld behaupteten und jene stigmatisierten, die an der Idee der Belletristik festhalten wollten.
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