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Wo liegen die Besonderheiten der Comics hinsichtlich ihrer Produktion, ihrer Distribution und ihrer Rezeption? Was sind die Eigenheiten der grafschen Literatur hinsichtlich ihrer Produktion, Distribution und Rezeption? Zwischen diesen beiden Fragen deutet sich eine historische Entwicklung an, die grosso modo in den letzten vierzig Jahren in den USA und Europa stattgefunden hat. Denn zum einen bezog sich vor vierzig Jahren der Begriff graphic literature weniger auf Geschichten mit Bildern, sondern wurde meist im Hinblick auf drastische, plastische, eben bildhafte Literatur verwendet (in diesem Sinne noch Kaplan 2001). Und zum anderen verstanden sich Comics 1975 gerade nicht im Sinne eines Phänomens der ›Hochkultur‹ als grafsche Literatur, sondern betonten als comix oder commix ihr subversives und anarchisches Potenzial im Unterschied zum etablierten kulturellen Mainstream — wobei das ›x‹ in der abweichenden Schreibweise für ›x-rated‹, also ›nicht jugendfrei‹ stand (vgl. Kap. 1). Für die in den 1950ern aufgewachsenen Zeichner und Autoren waren Comics gerade deshalb attraktiv, weil sie der repressiven Gesellschaft ihrer Jugend und Adoleszenz entkommen wollten (einen Überblick darüber bietet Rosenkranz 2002). Comics brachten etwas Unbewusstes der Gesellschaft auf die banale Oberfä-che ihrer Seiten, indem sie das Schematische der Gesellschaft selbst ganz direkt und unverblümt mitteilten (Doetinchem/Hartung 1974). Gerade als Schmuddelliteratur eröffneten sie einen Raum, in dem die Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft re-fektiert und parodiert werden konnten.
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