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Erklarte man vor Freud psychische Erkrankungen, sofern man sie nicht als Simulation abtat, als Resultat eines unmoralischen Lebenswandels, einer vererbten, organischen Disposition zum Irresein oder eines Besessenseins von Damonen, so leitete Freud einen grundlegenden Wandel im Verstandnis psychischen Leidens ein. Neurosen und psychopathologische Symptome entstehen ihm zufolge aufgrund von Verdrangungen seelischer Inhalte. Verdrangte und damit unbewust gewordene Vorgange unterliegen einer Funktionsweise, die sich nicht mehr mit den Gesetzen des bewusten Denkens beschreiben lassen. Fur das Verstandnis seelischer Pathologien ist es notwendig, vom sog. Primarvorgang auszugehen, der sich durch eine Tendenz zur unmittelbaren Wunscherfullung, die Dominanz des Lustprinzips gegenuber dem Realitatsprinzip und die Mechanismen der Verdichtung, Verschiebung und Symbolisierung auszeichnet. Diese Arbeitsweise des Unbewusten erklart die Irrationalitat der seelischen Operationen neurotischer Leidenszustande gegenuber der Modalitat bewuster Verarbeitungsprozesse: Wieso mus sich z. B. jemand immer wieder zwanghaft die Hande waschen, obwohl sein Verstand ihm sagt, das sie sauber sind? Warum furchtet ein Patient zu verarmen, obwohl er real uber grose Reichtumer verfugt?
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