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Bevor man über das Verhältnis von Literatur und Kulturtheorie spricht, ist begriffliche Klärung vonnöten: Die Frage nach dem Begriff der Literatur möchte ich in diesem Beitrag als unproblematisch aussparen. So bleibt die Frage: Was ist eigentlich Kulturtheorie? Dazu muss man aber zunächst fragen: Was ist Kultur? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Zwar handelt es sich bei ›Kultur‹ durchaus nicht um einen esoterischen Fachbegriff, sondern um ein auch alltagssprachlich viel verwendetes Konzept, dessen Bedeutung im Allgemeinen als nicht fragwürdig vorausgesetzt wird. Ein Blick in ein beliebiges Fremdwörterbuch belehrt über die Bedeutung dieses unproblematischen Kulturbegriffs. ›Kultur‹ bezeichne — abgesehen von einigen Nebenbedeutungen — die »Gesamtheit der geistigen u. künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft, eines Volkes« (hier nach dem Fremdwörterduden, 6. Aufl., 457). Zweierlei fällt auf: (1) ›Geistige und künstlerische Lebensäußerungen‹ bilden die Kultur; die Literatur muss bei dieser Definition eine, wenn nicht die zentrale Äußerungsform der Kultur sein, ist sie doch diejenige Kunstart, die den engsten Bezug zum ›Geist‹ besitzt, wenn man darunter etwas Ratioides versteht, das sprachlich ausgedrückt werden kann.
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