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Die erste Geschichte der italienischen Literatur in einem modernen Sinn, Girolamo Tiraboschis Storia della letteratura italiana (1772–1782), entsteht im 18. Jahrhundert. Sie zeugt von der allmählichen Durchsetzung eines historischen Bewusstseins, das von der Verschiedenartigkeit von Vergangenheit und Gegenwart ausgeht und die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Literarischen als das Ergebnis eines historischen Prozesses begreift, dessen Verlauf als eine ›Geschichte‹ erzählt werden kann. Dass es sich bei seiner Geschichte der italienischen Literatur buchstäblich um eine ›Erzählung‹ mit Höhe- und Tiefpunkten handelt, bringt Tiraboschi (1731–1794) klar zum Ausdruck, wenn er beklagt, dass keine der bisherigen Darstellungen, »ci offre un esatto racconto dell’origine, de’ progressi, della decadenza, del risorgimento, di tutte insomma le diverse vicende, che le lettere hanno incontrate in Italia« (Tiraboschi 1822, Bd. 1, 14). Im Gegensatz zu älteren Arbeiten, die die literarische Produktion der Vergangenheit ohne Anspruch auf Systematisierung lediglich additiv aufl isten, zeichnet sich für Tiraboschi in den verschiedenen literarischen Produktionen eine Entwicklung ab, die er nach dem historiographischen Modell eines sich zyklisch wiederholenden dreiphasigen Geschichtsverlaufs konzipiert. Ein solches Ordnungsmodell, das die Geschichte in Anfang (origine), Höhepunkt (progressi) und Niedergang (decadenza) gliedert, erlaubt es ihm, die literarischen Phänomene und ihre Entwicklung in der Form eines racconto, einer Erzählung, zu präsentieren.
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