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Gegenwärtige Öffentlichkeitstheorien und historische Darstellungen verlegen die Anfänge der modernen Öffentlichkeit in der Regel in das frühe 18. Jahrhundert; gelegentlich ziehen Historiker die Konstitution der literarischen Öffentlichkeit (Theater) bereits in das 17. Jarhundert vor. So argumentiert Erich Auerbach,16 da sich in Frankreich unter der Bezeichnung ‚la cour et la ville‘ seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ein neues Publikum herausbildet, das sich gesellschaftlich gegenüber der Masse des Volkes, aber auch gegenüber den Wert- und Geschmacksvorstellungen des alten Feudaladels abgrenzt. Für die hier entstehende Kommunikation über literarische und ästhetische Fragen kann der Begriff der literarischen Öffentlichkeit durchaus gebraucht werden, solange man sich vor Augen hält, daß er in der zeitgenössischen Sprache nicht zur Verfügung steht. Obschon der Ausdruck ‚le public‘ im 17. Jahrhundert bereits vereinzelt zur Bezeichnung des Publikums verwendet wird, steht der Terminus ›la cour et la ville‹ für die Konstellation des französischen Klassizismus im Vordergrund. Wie Auerbach gezeigt hat, handelt es sich nicht nur um eine soziologisch einigermaßen genau lokalisierbare Gruppe, sondern um eine Kommunikationsstruktur, die sich seit dem Regierungsbeginn von Ludwig XIV. bewußt an den Hof anlehnt und im Austausch mit dem jungen Monarchen das neue Menschen- und Geschmacksideal befestigt. An diesem Austausch sind fast alle bedeutenden Autoren der klassischen Zeit beteiligt, unter ihnen Molière, Boileau und Racine.
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