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In der deutschen Kunstgeschichte kam es zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zu einer ungewöhnlichen Konstellation: eine in Deutschland und Österreich entstandene künstlerische Bewegung fand ihr eigentliches Zentrum im Ausland und beeinflußte von dort die deutsche Kunstentwicklung. Es handelt sich um die Nazarenische Schule, deren Anfange in Rom mit dem Eintreffen der Lukasbrüder im Jahre 1810 zu datieren sind. Nach dem Ende der Befreiungskriege erhielt die christlich-romantische Richtung starken Zuwachs aus Deutschland wurde für die nächsten Jahre zur bestimmenden Kraft des künstlerischen Lebens in Rom. Für die dort ansässige Künstlerkolonie hatte diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Die Neuankömmlinge orientierten sich an anderen künstlerischen Vorbildern — der vorraffaelischen Malerei des Quattro- und Cinquecento —, strebten eine nationale statt der universalen klassischen Kunst an und unterschieden sich bis in ihr äußerliches Erscheinungsbild von ihren Vorgängern. Rom, bis dahin Heimat der klassischen Kunst, wurde zum Mittelpunkt der neudeutschen Bewegung.
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