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»Aus Bonn soll ein mir sehr liebenswürdiges Maß des Unpathetischen, des Gelassenen, des Entspannten mitgenommen werden.« Mit diesem Satz antwortete der studierte Kulturwissenschaftler und neue Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in einem Interview auf die Frage, welche alt-bundesrepublikanischen Traditionen ihm in der künftigen ›Berliner Republik‹ erhaltenswert erscheinen.1 »Ist die Nation erwachsen?«, titelte DIE ZEIT zum Beginn des Kosovo-Krieges und schob zur Erläuterung folgende Zeile nach: »Ohne Pathos reagiert die Politik auf den ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr«.2 Beide Aussagen dürften als weitgehend repräsentativ gelten für die zeitgenössische deutsche Einstellung zum öffentlichen Gebrauch von Pathos. Hierin der Abgrenzung Lessings gegenüber dem Geist des Barockzeitalters in der Hamburgischen Dramaturgie ähnlich, ist die spürbare Erleichterung, über diesen theatralen Modus operandi hinaus zu sein, noch geprägt von einer Furcht vor den vermeintlichen Rasereien und Exaltiertheiten der eigenen Vergangenheit.
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