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Um 1890 verstärkt sich spürbar das Interesse an einer Grundlagendiskussion über die Aufgaben und das Wesen der Literaturgeschichte.1 Den traditionellen Anlaß einer akademischen Festansprache nutzend, nennt der Anglist Bernhard ten Brink in seiner Straßburger Rektoratsrede drei Aspekte, denen für die Erforschung der literarischen Entwicklung eine maßgebende Bedeutung zukommt: der Charakter der jeweiligen Zeit und Nation (»Volksthum«), der Bildungsgang des Individuums und die Geschichte der literarischen Genres. Während die ersten beiden Hinsichten auf den Zusammenhang der Literaturgeschichte mit der Kulturgeschichte bzw. Völkerkunde und der Psychologie verweisen, befindet sich die Gattungsgeschichte, begriffen als Form- und Ideengeschichte, »im Centrum der litterargeschichtlichen Aufgabe«2, die als Arbeit an der Tradition wichtige Leistungen für die Literatur erbringt. In einer solchen »fortwährende[n] Korrektur der Ueberlieferung […] mit Hülfe der Ueberlieferung«3 sieht Wilhelm Wetz eine »Verwechslung der Literaturgeschichte mit der ästhetischen Kritik«.4 Überhaupt wirft der Straßburger Privatdozent in einer ausführlichen Streitschrift seinem Kollegen »eine ganz einseitige Bevorzugung des litterarischen Momentes«5 vor und plädiert statt dessen für eine Orientierung an der Psychologie, dann auch an der Kulturgeschichte, um »zu einem Gesammtbilde der geistig-moralischen Persönlichkeit eines Autors emporzusteigen, in der doch alles Andere zusammenläuft, die letzte Ursache für alles Uebrige liegt.«6
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