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Niemals in der rund dreihundertjahrigen Geschichte ihres modernen Begriffs war die Kunst so starken und grundlegenden Zweifeln ausgesetzt wie in der Gegenwart. Zwar wurde der Kunstbegriff via Kritik und Polemik immer wieder Revisionen unterzogen, doch stand jede Ablehnung einzelner seiner Bestimmungen (oder auch bestimmter Kunstformen) unter der Pramisse, das Kunst an sich von zentraler Bedeutung fur das Individuum wie fur die Gesellschaft sei. Wer gegen Auspragungen der Kunst opponierte, tat es fast immer aus der Uberzeugung, damit ›diei‹ ›wahre‹ Kunst gegen Verfallsformen, schwarze Schafe oder Unterschatzungen verteidigen zu mussen. Lange Zeit war die Kritik an Kunst deshalb sogar ein Mittel zu ihrer weiteren Aufwertung sowie zur Uberwachung ihrer exklusiven Begriffsgrenzen. Dies scheint sich nun zu andern, und die Debatte uber Kunst und den Kunstbegriff ist in eine Phase der Depotenzierung eingetreten, deren Dynamik und Ausmas noch schwer abschatzbar sind; verschiedentlich ist sogar vom ›Ende der Kunsttheorie‹1, vom ›Ende der Kunstgeschichte‹2 und — am haufigsten — vom ›Ende der Kunst‹ selbst die Rede.
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