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Wer nach der Wahrheit des Mythos1 fragt, setzt ein Wissen um das Wesen des Mythos voraus. Er sollte also sagen können, was das eigentlich ist: ein Mythos. Doch danach gefragt, geht es mir nicht anders als dem Kirchenvater Augustinus bei dem Versuch, das Wesen der Zeit zu bestimmen. „Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Wenn ich es einem Fragenden jedoch erklären will, weiß ich es nicht.“2 Es ist deshalb eine vorerst durch nichts gerechtfertigte, am Ende meines Vortrages aber hoffentlich einleuchtende Auskunft, wenn ich — ohne den geringsten Anspruch auf Originalität — den Mythos eine zu erzählende, die bedrohliche Lebenswelt elementar unterbrechende „alte“ Geschichte nenne, bei der niemand von uns dabeigewesen ist, in die wir jedoch durch die mythische Erzählung derart versetzt werden sollen, daß wir zu den unsere Existenz in einer übermächtigen Wirklichkeit bedrohenden Aporien und zu den unsere Existenz bis zur Enthemmung steigernden, vor Glück blendenden Erfahrungen derselben Wirklichkeit ein erträgliches Verhältnis gewinnen. Daß Mythen dies zu leisten beanspruchen, macht sie für die christliche Theologie bedeutsam. Denn eine existenzverändernde Wirkung vergleichbarer Art verheißt ja auch das Wort, das der Glaube als Gottes Wort überliefert.
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