No open-access location is known for this record yet.
No open-access location is known for this record yet.
Es gibt Bücher, die Offenbarungen sind, nicht weil sie gänzlich Neues bieten, sondern weil sie auf das Bekannte einen ungewohnten, neuen Blick eröffnen. Karlheinz Stierles literarische Stadtgeschichte als die »Geschichte der Entdeckung der Lesbarkeit der Stadt« (339) gehört zu diesen. Beeindruckend gelingt dem Konstanzer Romanisten die zeichentheoretische Rekonstruktion der literarischen Bewältigung des inkommensurablen Phänomens »Paris« zwischen Spätaufklärung und Charles Baudelaires Paris-Imaginationen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Während durch die fortschreitende Anonymisierung und Atomisierung der städtischen Lebenswelten, die spätestens seit dem 17. Jahrhundert immer weiter um sich greifen und in »Passage« und (Pferde-) »Omnibus« auch in der Topographie der Stadt sichtbar werden, alle individuellen Differenzen und Eigentümlichkeiten zu verschwinden drohen, produziert die Stadt selbst immer neue Zeichenwelten, die die Unterscheidung ermöglichen. Paris ist als exemplarischer Ort der Moderne die Stadt »der unersättlichen Differenzierungsbedürfnisse«, »die Stadt der Differenz und des Kampfs um die Verfügbarkeit über die Differenz« (63), ein Ort, der unablässig Zeichen und Anzeichen hervorbringt, die gelesen werden müssen, damit das Ephemere und Unvertraute verwandelt werden kann in überschaubare Sinneinheiten. Stierle begreift die herausragenden literarischen Reflexe der Stadt als Versuche, ihre polyvalenten, amorphen und unbedeutenden Signale zu transformieren in Bedeutsamkeiten, in Zeichenwelten, die sich der Lesbarkeit nicht mehr entziehen.
Loading…
Stored only when both papers are in the corpus — 30 citations exist upstream.
Imported from OpenAlex (CC0) — nothing here is generated.