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Vom Theater geht eine besondere Faszination aus. Insbesondere fur Padagogen besteht ein Teil dieser Faszination in der Erwartung, dass mit dem Theaterspielen besondere bildende Effekte verbunden sind. Die Frage nach der (bildenden) Wirkung des Theaterspielens gehort zu den Grundlagen des noch jungen Fachs Theaterpadagogik. Der Ruckblick auf die mit Theater(spiel) verbundenen Bildungsvorstellungen zeigt, dass Theaterspielen vielfach als methodisches Hilfsmittel angesehen wurde, um die unterschiedlichsten religiosen, padagogischen, moralischen und politischen Ziele anzustreben. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, die Wirkungsweisen kunstlerisch-padagogischer Arbeit belegen, sind selten. Die Zuschreibungen, die das Theaterspielen im padagogischen Bereich erfahrt, werden eher in Form von Vermutungen oder personlichen Anekdoten publiziert. Im Bereich der Theaterpadagogik gibt es bisher kaum empirische Untersuchungen, die sich auf uberprufbare Daten stutzen. Ausgangspunkt der Studie ist die Annahme, dass Theaterspielen (Transfer-)Effekte haben kann und damit zur Personlichkeitsentwicklung beitragt bzw. Personlichkeit in gewisser Hinsicht verandert. Asthetische Bildung, Personlichkeitsentwicklung und Kompetenzvermittlung werden nicht als Gegensatze, sondern als sich erganzende und integrativ zu vermittelnde Teile von Bildung verstanden. Der erste Teil der Studie beschreibt und analysiert Theaterspielen als Phanomen asthetischer Bildung. Er liefert eine umfassende, „dichte“ Beschreibung der mit dem Theaterspielen verbundenen asthetischen Prozesse und Erfahrungen. Daraus werden Bestandteile einer auf das Theaterspielen bezogenen asthetischen Kompetenz abgeleitet. Im zweiten Teil der Studie wird die Personlichkeitsentwicklung junger Menschen, die uber einen langeren Zeitraum Theater spielten, verfolgt. Ausgangspunkt fur die Betrachtung der Transferqualitaten des Theaterspielens war die Hypothese, dass regelmasiges Theaterspielen bei jungen Menschen Kompetenzen im personalen, sozialen, Handlungs- sowie im Lern- und Leistungsbereich fordert. Personliche Entwicklungsverlaufe werden hinsichtlich Wohlbefinden, Interesse und Engagement, Wunschen und Perspektiven, Einstellungen und Werthaltungen, personalen und sozialen Kompetenzen nachvollzogen. Spezifische Wirkpotentiale, die in der kunstlerischen Auseinandersetzung mit dem Theater liegen, werden ergrundet. Durch ein vergleichendes Forschungsdesign wurden Veranderungen ausgemacht, die speziell auf das Theaterspielen zuruckgefuhrt werden konnen. Daruber hinaus wurden Entwicklungen in der Gruppe unter die Lupe genommen und betrachtet, ob sich Jugendliche, die sich fur das Theaterspielen entscheiden, von anderen unterscheiden. Die Studie ist sich stets der Komplexitat und Vielzahl der Einflussfaktoren bewusst, die vor und neben dem Theaterspielen fur die Personlichkeitsbildung von Bedeutung sind. In der Analyse werden die beobachteten Entwicklungsverlaufe in einem systemischen Zusammenhang betrachtet. Es wird also nicht von einem naiv-moralischen Wirkmechanismus des Theaterspielens ausgegangen. Mit der Untersuchung wurde ein neuer spezifischer theaterpadagogischer Forschungsansatz entwickelt, der versucht, sich auf angemessene Weise dem Medium Theater und der Praxis der Theaterarbeit an Schulen zu nahern. Sowohl Theaterkunst als auch Padagogik bilden die Ausgangspunkte dafur. Die Studie bedient sich verschiedener Forschungsperspektiven. Qualitative und quantitative For-schungsmethoden werden zur Herstellung eines umfassenden Bildes vom Forschungsgegenstand, des Theaterspielens und seiner Wirkungen, verknupft. Die Studie zeigt erstmals auf verallgemeinerbarer Grundlage, dass die kunstlerische Auseinandersetzung mit dem Medium Theater Einflusse auf die Personlichkeitsentwicklung junger Menschen hat. Es wird deutlich, dass Theaterspielen eine besondere Form der Kulturvermittlung und Bildung sein kann. Die vielschichtigen Erfahrungsbereiche wahrend des asthetischen Prozesses und die erstaunlichen Transfereffekte, zum Beispiel in den Bereichen Offenheit und Extraversion, verweisen auf ein besonders effektives und nachhaltiges Lernen im Kontext theatraler Auseinandersetzungen. Offenbar sind mit dem Theaterspielen Lernmodi verbunden, die tief implementierend wirken.
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