Die Frage nach Punitivität, ihrem Ausmaß, ihrer Entwicklung und ihrer Begründung wurde in den letzten Jahren umfangreich behandelt. Es liegen verschiedene ältere und neuere Analysen vor, weshalb und in welcher Intensität gestraft wird bzw. straforientierte Forderungen aufgestellt werden. Der folgende Beitrag intendiert, einen Überblick der mittlerweile beträchtlich angewachsenen Punitivitätsforschung zu geben. Im Mittelpunkt stehen dabei neuere Zugänge und – um eine notwendige Schwerpunktsetzung vorzunehmen – der vorrangig auf Deutschland bezogenen empirischen Befunde. Dies konfrontiert mit dem Problem bislang nicht ausgeräumter definitorischer Unklarheiten. Nach Matthews (2005, 175) ist Punitivität in der kriminalsoziologischen Literatur „largely undefined“ und in hohem Maße spekulativ konnotiert. Er konstatiert lediglich „clear indications of American exceptionalism“ (ebd., 195), während über ihn hinausgehende Generalisierungen skeptisch zu betrachten seien (vgl. auch Tonry 2007a; Scherr 2010).
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