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„Unsere Philosophie ist einfach: Tischkultur in guter Form“, so hei\t es in der Broschüre eines bekannten Herstellers für gestalterisch hochwertige Gebrauchsdinge in Haushalt und Küche. Vom Essbesteck und Tafelservice bis zum Marmeladenglas, Kapselheber und Walnussöffner kennt die besagte Firma kaum ein Objekt aus der alltäglichen und mitunter auch auβeralltäglichen Welt der privaten Haushaltsführung, das durch eine „starke Formsprache“ nicht eleganter und funktionaler zugleich gemacht werden könnte. Glas, Edelstahl und Porzellan vereinigen sich in immer anderen Einzelobjekten zu einem Programm, das regelmä\ig mit Neuheiten aufwartet und sich doch „über jeden Trend erhaben“ sieht. Dem Wunsch des Unternehmens gemä\ überall dort zu Hause, „wo ein hoher Anspruch an Form und Funktion Ausdruck individuellen Lebensstils“ ist, sollen sich die gewöhnlichen Verrichtungen des heimischen Alltags zur Ästhetik hin öffnen. Auch die „kleine Tasse für Kaffee und Kunst“ darf dabei nicht fehlen. Möglicherweise hinterlässt sie beim Benutzer Ratlosigkeit, wenn er sich neben der Gebrauchsfunktion beim Espressogenuss auch noch die künstlerische Nutzanwendung der kleinen Tasse vorstellen soll. Dies dürfte indes nicht die einzige Sorge sein, die sich dem ambitionierten Klienten der Haushaltsverbesserung stellt, sofern er sich von der Designmarke seiner Wahl umfassend in den eigenen Gebräuchen veredeln lassen möchte. Mindestens ebenso enervierend wie die zum Ding gewordene Erwartung, es alltäglich mit Objekten angewandter Kunst aufnehmen zu müssen, sind die Ansprüche auf Ergänzung und Vollständigkeit, die bereits ein einzelner Gegenstand hinterlässt, wenn er inmitten des schon Vorhandenen mit seiner „guten Form“ imponiert.
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