Der Gegensatz von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem durch Dilthey akzentuiert wurde und sich aufgrund der neukantianischen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts verfestigte, hat sich bis heute als unüberwindlich erwiesen. Dies gilt auch im Hinblick auf die Psychologie (13). Lediglich der von Dilthey gleichzeitig pointierte Dualismus von Erklären und Verstehen ist inzwischen eher umstritten (7). Dennoch darf nicht übersehen werden, daß diesem Dualismus gerade im Hinblick auf die Entwicklung der ‚Psychowissenschaften‛ eine fundamentale Bedeutung zukommt. Schließlich ist nicht zu leugnen, daß hier die kausalgenetisch-erklärende Experimentalpsychologie auf der einen Seite und die — zumindest überwiegend — hermeneutisch ausgerichtete Psychoanalyse auf der anderen Seite Traditionslinien repräsentieren, die gleichsam aufgrund einer methodologischen Polarisierung zustandegekommen sind und die heute als unabhängige ‚Psychologien‛im Sinne (großer) autonomer und immanenter Systeme in Erscheinung treten. Diese letztendliche Unvereinbarkeit oder Systemimmanenz der beiden vorherrschend gewordenen Hauptströmungen (15) ist es auch, die eine Überwindung der entstandenen Situation notwendig erscheinen läßt, und es ist eine naheliegende Annahme, daß diese Überwindung nur auf der Basis einer methodologischen Neuorientierung ermöglicht werden kann, und zwar unter der Voraussetzung, daß die zu entwickelnden Forschungsstrategien dem Gegenstand der Psychologie besser gerecht werden als die überkommenen Ansatze.
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