Bisweilen ist es ein Indiz für die allgemeine Bedeutung eines theoretischen Begriffs, dass er umstritten ist. Für den sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskurs über Identität gilt dieser Zusammenhang zweifellos. »Identität« ist in zahlreichen Disziplinen, von der Psychologie und Pädagogik über die Soziologie, Ethnologie, Sozial- und Kulturanthropologie, die Geschichts- und Literaturwissenschaft bis hin zur Philosophie, und darüber hinaus in vielen trans- und interdisziplinären Debatten ein wissenschaftlicher Grundbegriff, und zwar seit Jahrzehnten.2 So unbestritten diese Diagnose ist, so kontrovers ist der Begriff selbst. Während ihn die einen für einen unverzichtbaren Bestandteil des theoretischen Vokabulars halten,3 empfinden ihn die anderen als Ärgernis und empfehlen seine Abschaffung.4 Jedenfalls in den Wissenschaften stifte ein derartig vieldeutiger Ausdruck, so die Kritiker, mehr Verwirrung, als er nutze.
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