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Die Idee der ethnographischen Semantik als einer wissenschaftlichen Methode für die Forschung über kulturelle Bedeutungssysteme stammt ursprünglich aus der linguistischen Kulturanthropologie nordamerikanischer Prägung. Einer ihrer prominenten frühen Vertreter, Charles O. Frake, hat in einem programmatisch gewordenen, auf einer Vorlesungsaufzeichnung beruhenden Aufsatz ([1962]), dazu ausgeführt, dass die ethnographische Forschung sich nicht nur auf die Aufgabe beschränken dür-fe, im interkulturellen Vergleich Namen von Dingen in den verschiedenen Kulturen zu ermitteln (wie wir sie z.B. in den folgenden drei Begriffen Fels (dt.), Rock (engl.) und Rocher (frz.) in drei Sprachkulturen finden), sondern vielmehr nach den Dingen zu suchen habe, auf die sich Worte beziehen. Mit dieser Herangehensweise soll erreicht werden, dass die Objekte einer Kultur aus deren Binnensicht rekonstruier- und als Bedeutungssysteme in ihrer praktischen Verwendung verstehbar werden. Dieses Anlie-gen der Einholung der „Einheimischenperspektive“ liegt als Ausgangsprämisse für das Verstehen von Bedeutungsfiguren in der Sprach- und Handlungspraxis allen so genannten „Ethno-“Theorien gemeinsam zu Grunde. Es wird auch als die Beschrei-bung des „the native’s point of view“ (Malinowski 1984, 49) oder die emische Sicht im Unterschied zur etischen Aussage (Pike 1967) bezeichnet. Im Kern geht es unter dieser Prämisse in der ethnographischen Semantik nun immer darum herauszufinden, welches eigentlich die „Dinge“ im Wissen jener Leute sind, die untersucht werden. In Übereinstimmung mit dem symbolischen Interaktionismus ([1969]) können dabei „Dinge“ alles das sein, was durch Sprache bezeichnet werden, oder worauf man sich mittels Kommunikation beziehen kann. Mitgliedschaft in einer Kultur zeichnet sich dann so gesehen für den einzelnen Handelnden durch den fraglosen, situativ kompetenten Sprachgebrauch im kommunikativen Austausch mit signifikanten Anderen aus (Goodenough 1957, 36–39). Und wie sozial handelnde Mitglieder durch diesen Sprachgebrauch ihre Erfahrungen als geordnete Kategoriensysteme konstituieren und kommunikativ konstruieren bildet dann den Untersuchungsgegenstand der ethnographischen Semantik auf einer theoretischen Ebene (Hymes 1979, 166–192).
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