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Der heutige Gebrauch des G.-Begriffs als Bezeichnung für eine Person, die sich weniger durch physische, technische oder genuin intellektuelle Leistung als durch kreativen Erfindungsgeist und »unbegreifliche Intuition« (Lessing über Shakespeare) auszeichnet, ist Ergebnis einer stetigen Bedeutungsverwandlung und -verengung. Die lateinische Wurzel genius bezeichnet (wie griech. daímon) einen göttlichen, jedem Menschen innewohnenden, angeborenen Geist, der seine Persönlichkeit bestimmt. Als Wirkungsprinzip wird der genius auch Orten (genius loci, genius urbis Romae) oder Gemeinschaften (genius publicus) zugeordnet. Die zweite Wurzel des modernen Begriffes ist ingenium, das, wie frz. esprit und engl. wit, im Sinne von Begabung, Intellekt, Phantasie, Witz gebraucht wird. Zugleich ist ingenium weniger dämonologisch bestimmt, als auf eine individuelle physische (Vestandes-)Disposition ausgerichtet und deutet ein technologisches Verständnis an (vgl. ›Ingenieur‹).
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