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Der niederländische Raum war durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder ein Brennpunkt historischer Innovationen.Die Geschichte der Merowinger und ihres Frankenreiches ist nur ein Beispiel dafür, wenn auch ein besonders prominentes.Weniger bekannt sind dagegen die tiefgreifenden Umwälzungen in der Vorgeschichte des Merowingerreichs, die für die weitere Entwicklung im westlichen und mittleren Europa große Bedeutung hatten.Die Sicht auf die Ereignisse und Konstellationen dieser Zeit hat sich in jüngerer Zeit deutlich verändert.Sowohl die privinzialrömische Geschichte (Aufgabe der belgischen Provinzen und die Rolle der Franken als Foederati bzw.Riparienses), die Stammesgeschichte jenseits der Reichsgrenzen (Genese der Franken bzw.Metamorphose der rechtsrheinischen Ethnographie) als auch die Sprachgeschichte (vor allem das Zustandekommen der scharfen Sprachgrenze zwischen Friesisch und Niederländisch) haben teils grundlegende Neubewertungen erfahren.Der vorliegende Aufsatz versucht die sprachliche Seite dieser Frühgeschichte zu beleuchten.Dabei werden einerseits einige involvierte Völkerund Gruppennamen auf ihren namengeschichtliche Status hin untersucht und andererseits einige neu gefundene Runeninschriften in der kulturgeschichtlichen Dynamik zwischen Spätantike und Mittelalter verortet.2 Geschichte und Sprachgeschichte Die heutige sprachliche Einteilung der Niederlande in drei verschiedene Sprachareale, das niederländische, das friesische und das niedersächsische, hat eine lange Geschichte.Bereits die schriftlichen Quellen der Antike enthalten historische und ethnische Namen, die sich auf diese Areale projizieren lassen: als erste treten die Friesen in Erscheinung, die bereits in der Antike diesen Namen tragen und bei denen man den Stammesdialekt annimmt, aus dem sich das mittelalterliche und heutige Friesische entwickelte.Erst später kommt der Name der Sachsen ins Spiel, denen die niedersächsische Sprache zugeschrieben wird; und im gleichen Zeithorizont oder etwas später schließlich der historisch bedeutendste Name der Franken, in deren Stammesdialekt der Vorläufer des eigentlichen Niederländischen vermutet wird.Diese Verlängerung heutiger Zustände in die Frühgeschichte und ihre Gleichsetzung mit historischen, aus der Antike überlieferten Namen ist jedoch nicht unproblematisch und wird desto heikler und ungewisser, je spärlicher die schriftlichen Quellen fließen.Das gilt nicht nur für die kulturelle, soziale und ethnische Geschichte, sondern auch für die Sprachgeschichte.Obwohl die drei Namen der Friesen, Franken und Sachsen eine lange Kontinuität aufweisen, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die historischen Entwicklungslinien zahlreiche Brüche und Sprünge aufweisen.Am offensichtlichsten zeigt sich das im Fall der Sachsen.Der heutige Geltungsbereich des Namens überschneidet sich nicht einmal mit dem des Frühmittelalters oder gar der Spätantike, und die Sprache im heutigen Sachsen lässt sich nicht mit jener der frühmittelalterlichen Sachsen erklären.1 Es ist zu Recht bemängelt worden, dass die frühen Sprachstufen des Niederländischen und speziell das frühmittelalterliche Altniederländische in den Handbüchern der vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft oft nicht gesondert aufgeführt sind, sondern auch in jüngerer Zeit unter eine der Nachbarsprachen, etwa das Altsächsische, subsumiert werden.Eine solche Darstellung wird der sprachgeschichtlichen Realität aber nicht gerecht. 2 Für diese Situation ist das dünne und mehrschichtige Kor-1) Capelle et.al. 2004, 31ff.2) Vgl.die Kritik bei Pijnenburg 2003, 7ff.
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