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In der neueren Ungleichheitsforschung hat sich zur Bezeichnung des Phänomens, daß viele Ungleichheitslagen nicht zeitkonstant dieselben Personen betreffen, also einen dynamischen Charakter im Sinne mehr oder weniger bedeutsamer Übergangsepisoden aufweisen, der Begriff der “Verzeitlichung sozialer Ungleichheit” eingebürgert. Dieser Begriff verknüpft neuere Lebenslauftheorien und Ungleichheitstheorien miteinander. In der Theorie des Lebenslaufs (Kohli 1985, 1986) wurde festgestellt, daß der individuelle Lebenslauf als Abfolge institutionell definierter Lebensphasen selbst den Charakter einer Institution angenommen hat, indem Verläufe planbar und erwartbar gestaltet werden. Hierbei wurde die zeitliche Strukturierung individueller Verläufe thematisiert. In der Ungleichheitstheorie (Berger 1990; Osterland 1990) wurde betont, daß die zunehmende Dynamik makrosozialer Veränderungen seit den 70er Jahren zu “irreguläreren” beruflichen Verläufen führt, deren zeitlichem Moment in Form von befristeten Stellen und Ungleichheitsphasen ein bedeutendes Gewicht bei der Bestimmung der Sozialstruktur der Gegenwartsgesellschaft zukommt. In dieser Forschungsrichtung wurde stärker die zeitliche Bedeutung von makrosozialen Veränderungen in den Vordergrund gerückt.
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